Motzecke

Donnerstag, 30. April 2009

CSU-Ministerin + Wahlkampf + Bild = Das Übliche? Ja...

Die Verlässlichkeit der Bild-Zeitung in Sachen offensiver Berichterstattung geht einher mit der Kontinuierlichkeit der CSU, dafür passendes Material zu liefern.

So forderte die bayerische CSU-Sozialministerin Christine Haderthauer in einer Kabinettssitzung am 28. April, die Arbeit und Richtlinien der USK zu überprüfen.
Die Bild verarbeitete diese Forderungen direkt in ein Verbot von World of Warcraft um, denn dieses Killerspiel müsse nun wirklich dringend mal verboten werden. Haderthauer sieht bei diesem Spiel einen „hochgradigen Suchtfaktor“ vorliegen, der bei der Überprüfung von Spielen von der USK nicht berücksichtigt wird.

Die Kritik an der USK ist zudem altbekannt, die Argumente trug bereits Christian Pfeiffer vom KFN vor. So verfehlt die USK ihren Zweck, da sie von der Medienwirtschaft bezahlt und besetzt wird. Eltern könnten sich so nicht auf die Altersfreigaben verlassen. Nun ist es jedoch so, dass Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden in den USK-Gremien mitwirken. Diese Gremien, die also die Gutachten für die Spiele erstellen, setzen sich des Weiteren aus Pädagogen, Journalisten, Jugendschutzbeauftragten und Sozialwissenschaftlern zusammen, die von den Herstellern der Spiele völlig unabhängig sind.

Weiterhin beschwert sie sich, dass Spiele nur Stückchenweise den Gremien vorgestellt werden. Tatsächlich - hätte die Dame aufmerksam einer der letzten Ausgaben der GEE gelesen - testet die USK nur Spiele, die in der ihr vorliegenden Fassung auch genau so in den Laden wandert. Diese werden dann von Testern ausführlich durchgespielt, die dann anschließend mittels einer Präsentation dem Gutachter-Gremium vorgestellt wird. Bei noch ausstehenden Fragen dürfen die Gutachter selbst ein Blick auf das Spiel werfen und spielen. Dass die Spieleindustrie, über die sich die bayerische Wirtschaft natürlich auch freut, hier ihre Finger mit im Spiel hat und ihre Games zusammenschneidet, um eine niedrigere Altersfreigabe zu erhalten, ist also grober Unfug.

Diese frei erfundene Tatsache soll schließlich als Basis für ein Rechtsgutachten dienen, ob WoW nachträglich noch verboten werden kann. Zusammen mit den CDU-Kollegen aus Niedersachsen. Welch ein Zufall, dass das KFN mitsamt Christian Doktor Pfeiffer dort ansässig ist. Der Münchner Merkur gibt allerdings an, dass für dieses Vorgehen noch keine formalen Beschlüsse gibt. Also doch nur heiße Luft? Langeweile?

Aus Bayern kamen in letzter Zeit vermehrt kritische Stimmen über Killerspiele. An Dümmlichkeit nicht zu überbieten war der Vergleich zwischen Kinderpornos, Drogen und Killerspielen. Anscheinend ist die Not groß, da man bei der anstehenden Europawahl ohne die Schwester CDU antritt und mit den bayerischen Stimmen über 5% muss.

Der eine kriegt also ne fette Schlagzeile und dem anderen laufen weiterhin deswegen die Wähler bis 30/35 Jahre weg. Danke und dann gutes Gelingen, Freunde!

Meine Forderungen wären nun folgende:
1. Gliedert Bayern bitte aus.
2. Politiker müssen Falschaussagen und Unwahrheiten klarstellen und sich hierfür offiziell entschuldigen.

Mit Material von Gamestar und Golem:
http://www.gamestar.de/news/pc/rollenspiel/online/1955723/wow_ein_killerspiel.html
http://www.golem.de/0904/66832.html

Montag, 23. Februar 2009

Zinnsoldaten, Wilhelm II. und Computerspiele passen also doch zusammen!

SPON beweist es mal wieder mit einem wirklich tollen Artikel. Achtung Ironie. Ich selbst hab leider keine Lust und Zeit für eine Kritik, allerdings lege ich Euch wärmstens das Forum ans Herz, wo bis jetzt schon allerlei User den Artikel auseinandergenommen haben.

Als Geschichtsstudent geht mir der Hut hoch bei solchen Vergleichen...meine Fresse. Schön moralisierend:
"Kaiser Wilhelm II. hätte "GTA" nicht verstanden. Dagegen hätte er an "Resistance 2", "Gears of War 2" und "Killzone 2" vermutlich seine helle Freude gehabt."
Als wenn....baaah.


Link: http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,609091,00.html

Samstag, 7. Februar 2009

Der Morgen fängt gut an...

...wenn man nach dem Aufstehen das Radio anmacht und sich freut, dass der Aerosmith-Song schon nach zehn Sekunden vorbei ist.

Montag, 5. Januar 2009

Was geht mitm Studivz? Account-Missbrauch?

Ich habe gestern Nacht eine ziemlich eindeutige Nachricht im StudiVZ bekommen. Hier der Inhalt:
Moin Moin Fabian

Wow.. habe dein Bild gerade in der Suche entdeckt. wirklich hübsch,
hättest du vielleicht lust mich näher kennen zulernen, ich würde mich drüber freuen,
ich gebe dir mal meine Handynummer: 015224985794 wenn du magst kannst du dich
ja mal melden, vielleicht kann man sich ja dieses Wochenende treffen und was zusammen unternehmen. Besuche zurzeit meine Schwester
In ihrem Profil keine Freunde, kein Bild, der Account ist ca. zwei Wochen alt. Was soll man(n) denn da denken? Natürlich ist der Account fake und die Telefonnummer? Will ich gar nicht wissen, wo die hinführt, was die mit der Nummer machen, usw.

Der Inhalt wurde wahrscheinlich einfach per Copy&Paste flott in hunderte Nachrichten eingefügt, vielleicht aus einem PDF, weil dort immer die Absätze so komisch in Textfenster oder Word-Dateien kopiert werden.

Heute ist diese Person eine "gelöschte Person". Ist mir also jemand zuvor gekommen, mit der Mail an die Administratoren :(

Kommt sowas öfter vor? Jemand Erfahrung damit?

Donnerstag, 6. November 2008

Stell dir vor, Bremen verliert über 60% der Lehrer und keiner schaut hin.

Vor einigen Monaten klang das Thema schon einmal an: In Bremen gehen in den nächsten zehn Jahren über 60 Prozent der Lehrer in den Ruhestand. Diese Tatsache hat nichts spezifisches mit dem Bundesland Bremen zu tun, sondern lässt sich problemlos auf ganz Deutschland ausweiten.

School_18th_century


Der Bremer Ableger der Bildungsgewerkschaft GEW teilte bereits im August mit, dass „dem drohenden Lehrkräftemangel frühzeitig mit einem Einstellungskonzept begegnet werden“ muss. Leider – und so ist anscheinend der Stand der Dinge – sehen Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper und ihr Ressort kein Grund zum Handlungsbedarf. Reaktionen der diesbezüglichen Problematik blieben jedenfalls aus.

In anderen Bundesländern werden vermehrt Referendare und Lehrer eingestellt, um dem drohenden Mangel an Pädagogen vorzubeugen. Bisweilen, und das hören wir öfter in den Medien, werden Lehrer abgeworben. Eine bessere Ausbildung für die angehenden Lehrer, kleinere Klassen und ein höheres Entgelt sind nur drei der vielen Gründe, warum Lehrer und Referendare beispielsweise Bremen verlassen und ins Umland, respektive noch weiter weg ziehen.

In vergangenen Einstellungszyklus für Referendare in Bremen bewarben sich über tausend Universitätsabgänger auf knapp 100 freie Stellen. Wer nicht einen Notendurchschnitt von unter 1,5 sein Eigen nennt, der darf sich auf ein weiteres Semester Wartezeit einstellen. Wer eine Stelle bekommt, für den ist indes unklar, was nach der Beendigung seiner Referendarzeit kommt, denn es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass man an derselben Schule, beziehungsweise im selben Bundesland bleibt. Der Bildungsstandort Bremen in Bezug auf die Schulen verliert laut GEW an Attraktivität: „Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer werden nicht mehr jede nächstbeste Stelle annehmen, sondern sich ganz genau die Bedingungen ansehen. Dazu gehören neben dem Verdienst auch die Fragen der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitszeit. In all diesen Fragen gibt es Verbesserungsbedarf, um in der bevorstehenden Einstellungskonkurrenz mit anderen Bundesländern bestehen zu können."

Schulen_P7310231


Um dem entgegenzutreten, schlägt die GEW eine Übernahme-Garantie für Referendare im Lande Bremen vor. Ob dies eine Möglichkeit ist, dem künftigen Lehrermangel vorzubeugen, wage ich zu bezweifeln, da erstens immer noch zu wenige Lehrer eingestellt werden und zweitens die eben angesprochene Attraktivität des Standortes Bremen dadurch nicht verbessert wird. Warum sollte man als fertiger Referendar diese Möglichkeit nutzen, wenn anderswo mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen winken? Die Garantie auf Einstellung könnte dann womöglich nur als Übergangslösung fungieren, bis andernorts etwas besseres frei geworden ist.

Nichtsdestotrotz macht der Vorschlag der GEW durchaus Sinn, wenn die eben angesprochenen „Missstände“ hier in Bremen beseitigt werden. Mit einer groß angelegten Einstellungswelle von Referendaren könnte man zumindest teilweise dem anstehenden Lehrermangel hier in Bremen entgegentreten. Gleichzeitig müssen Verbesserungen für den Beruf des Lehrers hier in Bremen geschaffen werden, um das Personal einerseits zu halten, andererseits aber auch Lehrkräfte aus anderen Bundesländern nach Bremen zu locken. Wird dann schließlich die Übernahme-Garantie in Anspruch genommen, können Bremer Schulen z. B. auf konstante und stabile Kollegien hoffen sowie mit den bestehenden Lehrerzahlen planen.

Problematisch sind hierbei die nötigen Kapazitäten im Landesinstitut für Schule (kurz: LIS), die bei einer Einstellungswelle aufgefangen und kompensiert werden müssen. Bremen könnte sich langfristig darauf einstellen, vermehrt Referendare auszubilden und somit zukünftig ausreichend Kapazitäten bei der Lehrausbildung schaffen. Bei kleineren Ausbildungsjahrgängen besteht zudem die Möglichkeit, dass aus angrenzenden niedersächsischen Gemeinden Referendare nach Bremen geschickt werden. In der Regel sind hier die Wege zur Ausbildungsstätte sehr weit und nur mit dem Auto halbwegs vernünftig zu erreichen. Der Weg nach Bremen stellt hierin womöglich die einfachere Lösung dar. Unter den Bundesländern könnte man sich sicherlich auf einen finanziellen Ausgleich bemühen.

Nichtsdestotrotz wird hier vorerst in Bremen nichts passieren. Und wie es meistens so ist, wird das Problem erst dann angegangen, wenn es bereits zu spät ist. So kommt man von den sowieso schon überfüllten Seminaren in der Universität quasi direkt in die überfüllten Räume des Landesinstituts für Schule. Und was bei riesigen Klassengrößen herauskommt, dass wissen wir ja.
Siehe auch: http://bildungsklick.de/pm/62485/gew-bremen-zum-schuljahresanfang/

Und lokal: http://www.gew-bremen.de/

Alle Supersymbolbilder: Wikipedia

Dienstag, 16. September 2008

Wie der NPDler Sascha Rossbach Zuspruch bei Youtube erntet.

Im Bayerischen Fernsehen kamen gestern im Hinblick auf die anstehenden Wahlen auch die kleineren Parteien zu Wort. Unter anderem auch die NPD in Person von Sascha Rossbach, der "schon mal Todesdrohungen gegen politische Gegner ausspricht" und "Gründungsmitglied" des Nationalen Blocks ist (TelePolis). Der Autor Kurt Raster hält Rossbach für gefährlich, vor allem, wenn er im Fernsehen solch eine Plattform erhält, um seine Partei "darzustellen". Er beschreibt dies so: "Der NPD wurde vom Bayerischen Rundfunk die ihr sicher höchst willkommene Chance gegeben, sich als "normale" Partei aufzuführen. Verschlimmert wurde das Ganze noch durch zwei blauäugige Moderatoren."

Der bei Youtube eingestellte Beitrag hat zwar bis jetzt nur 9 Kommentare, allerdings sind einige davon sehr fraglich:
"da müssen 2 "Journalisten" das Interview mit den NPD-Mann führen. Das ist ja wie bei einem Kreuzverhör. Mir gefiel das Interview und ich drücke der NPD die Daumen!!!"
-> Dürfen NPDler denn nur von einem Journalisten interviewt werden? Und: Ich dachte, der durchschnittliche Rechte wählt immer noch CSU in Bayern. Haha.
"Ein sehr guter Auftritt von Herrn Rossmüller, ruhig und sachlich.
Spätestens jetzt wird klar, weshalb die etablierten Parteien öffentliche Diskussionen mit der NPD scheuen wie der Teufel das Weihwasser."
-> Rein rhetorisch kann man den NPDlern kaum das Wasser reichen. Selbst Lafontaine wird gerne ins rechte Lager gerückt, weil er so ein „krasser“ Redner ist. Nur glaube ich kaum, dass der Kommentator Schmidt mit Nachnamen heißt oder ein Linker ist. Haha.
"Der Auftritt beweist einmal mehr: Das Bild, welches uns Medien von der NPD eintrichtern wollen, ist falsch! Sämtliche Vorwürfe der beiden Moderatoren werden von Herrn Roßmüller erfolgreich entkräftet. Alle Aussagen sind sehr intelligent und spiegeln das Bild der NPD, wie síe sein sollte und im großen und Ganzen auch IST, wieder."
-> Allein aus diesem Kommentar ließe sich ein unterhaltsamer Podcast von Extra3 machen. Richtig, die NPD ist die Partei der Intelligenz, die mit politischen Kalkül spekuliert, sämtliche Stimmen der Dummen zu kriegen, weil sich diese so leicht von ihrer Agitation umgarnen lassen. Klappt bestimmt. Haha.

Aber es wäre ja vermessen, nur diese Kommentare zu zeigen, schließlich ist nicht alles schlecht:
"So einen Nazimüll auch noch ins Fernsehen zu lassen ist unverschämt. Ich verstehe ja das wir in unserer Gesellschaft tolerant sein wollen aber diesen Faschisten auch noch eine Bühne zu bieten ist einfach lächerlich."
Da wir in einer Demokratie leben, lassen sich Parteien nicht mehr so schnell verbieten. Dies ging lediglich in den 50er, als man die KPD verbot. Lustige Sache, mit Richteraustausch und allem Pipapo. Haha :(
"Es ist unglaublich wie sich eine Partei, die zur Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wird und deren "hochrangige" Vertreter sich vor zahlreichen Gerichten zu verantworten haben, sich hier als unschuldig verfolgt darstellen können. Eine Schande für einen von der GEZ bezahlten Reporter, der kritischen Journalismus wohl nicht beherrscht. So wird dem braunen Dreck ein weißes Mäntelchen angezogen."
Tja nun, wer ordentliche Kritik oder Aufklärung haben will, wendet sich lieber ans Internet und schaut z.B. kein deutsches Fernsehen. Haha.
Achja, der Beitrag ist übrigens hier verfügbar:
http://www.youtube.com/watch?v=RaIb-spKCTU

Der Artikel bei TelePolis:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28727/1.html

Freitag, 22. August 2008

Der erste und letzte Brief der Nachbarn

Heute erreichte uns ein anonymer Brief der Nachbarn. Sie beschweren sich hier drin über unsere zu lauten Aktivitäten auf dem Balkon am vergangenen Mittwoch. Mit einer überbordernden Höflichkeit und diversen falsch angelegten Anführungszeichen, in Fachkreisen auch Gänsefüßchen genannt, will man uns darauf hinweisen, nach 22 Uhr äußerste Ruhe zu halten. Ansonsten helfe nur noch die Polente. Dies ist die überlegte Lösungsmöglichkeit für uns. Schönes Gimmick: Neben dem Text sind - in Farbe - drei dramaturgisch gut angelegte Bilder, die von den Themen Schlafstörung und Polizei-vor-der-Haustür handeln. Fett.

Ihr anonymen Briefeschreiber,

Wir können Ihnen versprechen, dass wir keine Party mit zu lauter Musik oder Gesprächen führen werden. Denn wir wohnen hier nur noch acht Tage. Vielleicht suchen Sie sich dann endlich mal andere Leute, denen Sie mit ihren Androhungen und Briefen (neuerdings) auf den Koffer fallen können.

MFG ihre Nachbarn :)


Achja: Als Ihr Haus komplett renoviert wurde, konnte ich am Wochenende auch nie länger als 8 Uhr morgens schlafen. Über zwei Monate. Oder seid Ihr nicht diejenigen von gegenüber? :)

Mittwoch, 13. August 2008

Spiegelfechter und NachDenkSeiten in der Blogroll und sowieso!

Ich habe in den letzten Wochen vermehrt die beiden im Titel genannten Seiten gelesen und - das passiert mir immer häufiger - stelle mir vor, dass vielleicht der Spiegel früher so gewesen sein muss. Damals (60er und 70er Jahre) hatten vor allem Politiker jeden Montag Angst, dass in der neuen Ausgabe was über sie stehen könnte. Der Spiegel hatte zu dieser Zeit eine enorme Reichweite und Schlagkraft. Wenn denn was über Herrn oder Frau Soundso drin stand, dann konnte man oftmals sein Amt niederlegen.
Zwar schaffen beide Seiten dieses (noch) nicht, jedoch klären sie mich besser über das aktuelle Zeitgeschehen auf, als fast alles andere an Informationsmedien. Und ich fühle mich wiederum desöfteren bestätigt, dass ein Großteil dieser "Medien" uns desinformiert, teilweise Propaganda betreibt oder man völlig unkritisch über bestimmte Themen berichtet.

Das Internet ist für mich schon sehr lange das primäre Informationsmedium. Obgleich sich die Quellen immer weiter in Richtung Weblogs bewegen - informiere ich mich nur noch hier. Im Internet.

Wenn man sich wundert, wieso Zeitungen immer weiter sinkende Auflagen haben und vor allem Jugendliche kaum Zeitung lesen, dann zeugt das meines Erachtens nur von Ignoranz. Erstens gegenüber den Vorlieben der Jugend an sich, zweitens aber auch in Bezug auf die Qualität der Printmedien.

Welche Zeitung lohnt sich denn noch zu kaufen?

Donnerstag, 7. August 2008

Warum darf ein radikaler Islamist an der Uni Bremen einen Vortrag halten? Und was hat Pax Europa damit zu tun?

Eigentliche sollte dieser Blogeintrag nur herausstellen, dass unsere Uni Bremen ziemlichen Mist gebaut hat, indem sie den "Hassprediger" Pierre Vogel alias Abu Hamza die Möglichkeit gab, einen Vortrag zu halten. Aber einfach das übernehmen, was dort gebloggt wurde und wie die vier Kommentarschreiber willfährig darauf einsteigen?[1] Wenn man sich nun die Frage stellt, wie Vogel zum „Hassprediger“ wurde, könnte man meinen, dass der Verein „Bürgerbewegung Pax Europa“ damit einiges zu tun hat. Schließlich stammen sämtliche Informationen über Hamza/Vogel von dort her.[2]

Der Weser-Kurier[3] berichtete zuerst über den Vortrag und dem Drumherum, worauf es dann Bremen4u zum Anlass nahm, darüber zu bloggen.[4] Vom Tenor her dürften Weser-Kurier und Bremen4u ungefähr gleich sein. Denn Bremen4u hatte wahrscheinlich als Quellen den Weser-Kurier -Artikel und einen weiteren Beitrag vom Münchner Merkur[5]:

Pierre Vogel ist ein Ex-Profi-Boxer aus dem Rheinland, der sich seit seiner Konvertierung zum Islam Abu Hamza nennt. Direkte Verbindungen zu islamistischen Terroristen werden ihm zwar nicht nachgesagt, dennoch verbreitet Vogel radikale Botschaften. Außerdem ist es bei seinen Vorträgen üblich, dass weibliche und männliche Zuhörer strikt voneinander getrennt werden. (Bremen4u)[6]

,,Überdenken Sie Ihre Entscheidung nochmals und informieren Sie sich über die Person des Pierre Vogel. Beispielsweise ist von anderen Veranstaltungen Vogels aus der Vergangenheit bekannt, dass Frauen dort getrennt von den Männern sitzen müssen. (Münchner Merkur)[7]


Beide Zitate stammen ursprünglich aus einer Mitteilung des Landesverbandes der Bürgerbewegung Pax Europa e.V.[8], einem Verein, der laut Merkur „für [die] europäische[n] Werte und Freiheiten und gegen eine Islamisierung eintritt“[9]. Auch die folgende Information stammt vom selben Verein: „Die Vereinigung warnte die Stadt auch davor, dass ein Auftritt Vogels in Dorfen sicher kein positives Licht auf die Stadt werfen werde.“[10] Mit mehreren Briefen an die Stadtverwaltung Dorfen (Bayern) sowie dem Kontakt zu dem Wirtshaus, welches die Räumlichkeiten stellen sollte, erreichte man, dass Hamza/Vogel nicht auftreten durfte. Dem Bürgermeister gab man zu verstehen, dass er "dem Ansehen [seiner] Stadt und [deren] Bürger verpflichtet ist und nicht dem Vorschub des Islamismus." [11]

Hamza/Vogel kommt selbst nie zu Wort. Immer scheint es so, dass niemand vorher wusste, dass hier ein „Hassprediger“ auftreten solle – bis Pax Europa dann Aufklärungsarbeit tat.

Anscheinend gibt es in Dorfen viele radikale Islamisten, die sich erstens freiwillig nach Geschlechtern hinsetzen, um dann schließlich „falsch“ ausgelegte Bibelstellen zu hören. Pax Europa dazu: ,,[…] Dass Abu Hamza unter anderem auch dadurch bekannt ist, dass er christliche Positionen so darstellt, dass die Botschaft des Christentums verzerrt und entstellt wird."[12]

Was will also der Verein? Auf deren Webseite heißt es, dass sie für die „Bewahrung der christlich-jüdischen Tradition unserer europäischen Kultur und der Erhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ eintritt. Er ist nicht „gegen die Muslime“, will aber trotzdem über die „schleichende Islamisierung“ aufklären.
Der „Schleicher“ Hamza, ein ehemaliger Boxer, der konvertierte und seinen Namen Pierre Vogel ablegte, infiltriert also kleine bayerische Dörfer und dann unsere liebe Uni Bremen.[14] Sicherlich war in Bremen die Aktion groß angelegt, denn er ließ sich von einem „Handlanger“ die Keksdose mieten – dem großen Hörsaalgebäude auf dem Campus. Nirgends ist jedoch die Rede, was im Inneren passierte. Man bezieht sich wieder auf die Online-Quelle von Pax Europa.[15] Vermutlich teilte er den Saal wie Moses das Meer.

Was will man also mit der Berichterstattung über Hamza erreichen? Ihn dämonisieren und gleichzeitig kaltstellen? Etwas besseres als der Verein Pax Europa, der hauptsächlich die Zeitungen mit Informationen füttert, die uns dann schließlich über Hamza aufklären, scheint es nicht zu geben. Inhaltlich ist meines Erachtens nicht viel dabei herum gekommen. Zuhörer nach Geschlechtern aufteilen? Hallo?
Die Bezeichnung des „Hasspredigers“ – damit erreicht man in der Öffentlichkeit sicherlich schnell Aufmerksamkeit – empfinde ich als ungerechtfertigt. Schließlich kam nur das lächerliche Beispiel mit dem Saal in die Zeitung. Von Pax Europa lanciert.

Nachdem die FAZ ein Interview mit W. Schäuble führte[16], nahm Pax Europa dies zum Anlass, einen ausführlichen Brief zu schreiben.[17] Hier einige Zeilen:

Ihre jüngsten Äußerungen zum Problemkomplex Islam im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen vom 20. Mai sind beunruhigend und veranlassen uns zu deutlichem Widerspruch. Unkenntnis, Voreingenommenheit und Bereitschaft zum Appeasement zugunsten des Islams sind das Leitmotiv Ihrer Aussagen. Als Grundlage für politisches Handeln halten wir Ihre Auffassungen für ebenso untauglich wie gefährlich.[18]

Ist Ihnen entgangen, daß die Glaubenslehre Jesu Gewalt verurteilt und Friedfertigkeit, ja sogar Feindesliebe verlangt? Wissen Sie nicht, daß die Bibel nach heute herrschender theologischer Auffassung von Menschen geschrieben wurde und gemäß der historisch-kritischen Methode auszulegen ist, während der Koran mit seinen zahlreichen Aufrufen zur Gewalt gegen Ungläubige als das ewige, unerschaffene und direkt übermittelte Wort Allahs bis heute für traditionell-orthodoxe Muslimen wortwörtliche Gültigkeit besitzt? Haben Sie das Schuldbekenntnis von Papst Johannes Paul II. für die historischen, von der Kirche begangenen Verbrechen, die nach christlicher Lehre schwere Sünden darstellen, nicht wahrgenommen? Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, daß die große Mehrheit der Terroristen heute Muslime sind, nicht aber Christen? [19]


Klar ist diese Auswahl nur selektiv, es zeigt in diesem Fall aber sehr gut, wie anscheinend die Argumentation seitens Pax Europa funktioniert. Der christliche Einfluss ist omnipräsent, eine positive Hinwendung oder Meinung zum Islam wird sofort negativ ausgelegt, die christlichen Werte stehen in Verbindung mit dem Islam immer in unmittelbarer Gefahr.

Was wollen uns diese beiden Auszüge aus dem Brief sagen? Meiner Meinung nach folgendes:

1.Appeasement-Politik ist obsolet bzw. „out“, das Gegenteil wäre entweder der Dampfhammer oder die Ignoranz und der damit einhergehende Ausschluss des Islams als Religion. Letzteres wird wohl stimmen, schließlich…

2. ...predigt die Bibel Friedfertigkeit und verbietet somit den Dampfhammer. Auch ohne die Bibel komplett gelesen zu haben, würde ich sagen, dass dies eine glatte Lüge ist, die auf gleicher Höhe agiert, wie…

3. ...der permanente Aufruf zur Gewalt im Koran. Man könnte fast meinen, dass in jedem zweiten Satz „Tod den Christen“ stehen würde.

4. Sind denn die Verbrechen der Kirche, die z. B. mit den Kreuzzügen einer der ersten religiös und politisch motivierten Kriege geführt haben, schon vergessen? Mitsamt ihrem Prediger Bernhard von Clairvaux, der mit Halbwahrheiten die Menschen überzeugte und dann in den Tod schickte.

5. Die Mehrheit der Terroristen sind also Muslime? Die Mehrheit der Gefängnisinsassen in Amerika sind schwarz. Menschen, die Killerspiele spielen, neigen zur Gewalt. So schnell findet man kausale und einfache Zusammenhänge, die die Menschen glauben und darauf anspringen.


Da ich nicht weiß, worüber Hamza nun predigt und in welcher Weise er es tut, möchte ich kein Urteil über ihn fällen, sondern in erster Linie die Frage stellen, warum dieser Verein so offensichtlich seine Meinung den Medien übergibt und diese als Informationen tarnt. Die Bürgerbewegung Pax Europa ist in meinen Augen nicht islamkritisch, sondern fährt eine klare anti-islamistische Schiene.
Der Präsident des Vereins, Dr. Udo Ulfkotte, ist wegen seiner mangelnden Seriosität schon oft in den Medien kritisiert worden.[20] Die ZEIT schrieb in einer Rezension über sein Buch „Der Krieg in unseren Städten“:

„Selbst wenn alle Namen, Zahlen und Fakten, die Ulfkotte präsentiert, korrekt sind, die Schlüsse, die er daraus zieht, sind zu einem großen Teil fragwürdig, wenn nicht absurd. Das Skandalon dieses Buchs besteht aus den Urteilen, die der Autor fällt, weniger aus den Fakten, die er ans Licht bringt.“[21]


Die taz:
„Vor allem aber erzählt Ulfkotte seinen Zuhörern Geschichten. Es sind Geschichten aus dem täglichen Leben, die man beim nächsten Geburtstagskaffee weitererzählen kann. Dutzende davon hat er auf Lager. Viele Banken nähmen "die Sparschweine flächendeckend aus dem Sortiment", berichtet Ulfkotte. Aus "vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Islam". Metzger kämen zu ihm und erzählten, dass ihnen Muslime freitags im Laden aufs Schweinefleisch spuckten. Die Fluggesellschaft British Airways habe das Kreuz aus dem Logo an den Heckflossen der Flieger beseitigt. "British Airways", sagt er, "würde dementieren, dass das etwas mit Muslimen zu tun hat." Was er erzähle, sei korrekt und überprüfbar, versichert Ulfkotte: "Sonst wäre das Volksverhetzung." Einige Damen halten sich entsetzt die Hand vor den Mund, andere schütteln den Kopf. Sparschwein, Schnitzel, Kreuz - alles bedroht! Nun ist es belegt. […] Andere können kaum fassen, dass ein früherer FAZ-Redakteur mit solchen Geschichten auf Tour ist. "Wer spuckt aufs Schweinefleisch?" Der Sprecher des Deutschen Fleischerverbands muss lachen. "Diese Geschichte höre ich zum allerersten Mal! Ich bin sicher, dass wir davon erfahren würden, wenn dem so wäre." Wie solle das überhaupt klappen: Zwischen Fleisch und Kunden sei doch eine Glasscheibe. Auch der Sprecher des Sparkassenverbandes weiß nichts von einem Trend weg vom Sparschwein. "Die Kunden sollen die Sparschweine doch nicht essen", sagt er verwundert, "die sollen da ihr Geld reinstecken!" Unsinn sei Ulfkottes Behauptung, sagt auch die Sprecherin von British Airways. Ihr Unternehmen habe lange vor den Islamismus-Diskussionen begonnen, das Firmenlogo zu überarbeiten. Und wer wolle, der erkenne auch in dem neuen Design das ursprüngliche Motiv.“[22]


Kritik gibt es viel über Ulfkotte. Er leitet einen Verein, der Pressemitteilungen an Zeitungen herausgibt, die über „Hassprediger“ handeln, die in kleinen bayerischen Dörfern auftreten. Die Zeitungen übernehmen diese Informationen unkritisch und mit Wohlwollen in ihre Artikel auf. Sein Verein Pax Europa will uns über die „schleichende“ Islamisierung aufklären.

Dabei verbreitet Pax Europa nur heiße Luft und Panik. Die im Falle der Kommentarschreiber bei Bremen4you auch positiv angekommen ist. Und über Hamza wissen wir nun immer noch recht wenig.
Fußnoten:
[1] http://www.bremen4u.de/citytalk/?id=1402
[2] http://www.buergerbewegung-pax-europa.de/
[3] www.weser-kurier.de Artikel online leider nicht verfügbar.
[4] siehe Fußnote 1.
[5] http://www.merkur-online.de/regionen/dorfen/Dorfen-Abu-Hamza-Pierre-Vogel-Islam-Fundamentalismus;art8851,943921
[6] Siehe Fußnote 1.
[7] Siehe Fußnote 5.
[8] Ebenda.
[9] Ebenda.
[10] Ebenda.
[11] Ebenda.
[12] Ebenda.
[13] http://s233199163.online.de/test/verein/index.php
[14] Siehe Fußnote 1.
[15] Ebenda.
[16] http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E765B48BC49E445A292B0C814D9247DFB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[17] http://s233199163.online.de/test/news/perkl/2008-05-29_Schaeuble.pdf
[18] Ebenda.
[19] Ebenda.
[20] http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Ulfkotte
[21] http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Ulfkotte
[22] http://www.taz.de/index.php?id=start&art=2017&id=442&cHash=9e7eb4fc5a

Dienstag, 5. August 2008

Warum tappt die Bremerhavener Polizei im dunkeln?

Vor ca. zwei Stunden fahre ich mit dem Coach in seiner Karre wieder ins heimische Bremen. Vor uns liegt die Autobahnauffahrt, die uns aus der bremischen Kolonie herausbringen soll. Überall blinken Lichter, es stehen einige Autos quer herum auf dem Standstreifen. Vielleicht ein Unfall? Ich meine zum Fahrer, dass dies die ausführende Gewalt des Staates ist und selbige mit ihren Kellen mitten auf der Auffahrt stehen. Zur Erinnerung: Wir sind nicht in Belgien, es ist also stockdunkel. "Zeigen Sie mal Ihren Führerschein," verlangt der Polizist und weist unhöflich daraufhin, dass die Nebelleuchten an sind. Wir dürfen weiterfahren.

Nun Frage ich mich folgendes:

Was wäre gewesen, wenn wir wirklich dachten, dass es ein Unfall ist und daran vorbeigefahren wären?

Zumindest hätten die Polizisten dann Action gehabt. Sie wären bestimmt dramatisch wie Kegel zur Seite gesprungen und mit Sirenengeheul hinter uns her.

Warum steht knapp hundert Meter vorher kein Polizeiwagen der das Warnlicht an hat und ein Fahrer mit seiner Kelle uns auf den Standstreifen winkt? Bzw. uns darauf vorbereitet, dass gleiche eine Kontrolle stattfindet.

Warum kann man erst erkennen, dass es kein Unfall ist, wenn es schon fast zu spät ist?

Was passiert mit jemandem, der genau das dachte und aber alleine im Auto war? Hätte der nicht nach dem Passieren der Ordnungshüter einen durchaus schlechten Tag gehabt?

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