Kritik

Mittwoch, 23. Juli 2008

Berufe mit viel Freizeit: Lehrer

Dieser Meinung ist zumindest ein Rezensent von Amazon, der bezüglich eines Buches über das österreichische Schulsystem folgendes meint:
Daher kommt es, dass Lehrer trotz eines gut bezahlten Halbtagsjobs und massenhaft Freizeit häufig an den Rand des Burn Out kommen.
und weiter:
Schlechte Ausbildung der Lehrer, mangelhafte Motivation, schlechtes Image (welches gerechtfertigt ist, in einer Situation wie dieser). Lehrer wird nur jemand, der "für Höheres nicht taugt": Lehrersein ist für viele eine Notlösung - das tut sich niemand an, der bessere Möglichkeiten hat.
Da ich nicht wirklich Ahnung vom Schulsystem unserer Nachbarn im Süden habe, vermag ich diese bedingt nützliche Kritik nur auf Deutschland zu beziehen. Was der Herr Rezensent hier ablässt, kann man aber ohnehin problemlos auf Deutschland ummünzen. Schließlich ist die allgemeine mediale Kritik bei uns die Gleiche.

Die universitäre Ausbildung von Lehrämtlern ist natürlich nicht optimal gelöst, dass bezweifle ich nicht und dieser Kritikpunkt kommt auch oft genug in den Seminaren zur Sprache. Von Staatsexamensleuten oder BA/MA-Studenten gleichermaßen.
Die Erziehungswissenschaften sind beim Staatsexamen nur Nebenfach und werden 32 Semesterwochenstunden studiert. In den Hauptfächern, die mit ca. 65 SWS zu Buche schlagen, gibt es fachdidaktische Scheine und Seminare, die zu besuchen sind. Von den etlichen Leistungsscheinen, die man im Grundstudium und Hauptstudium machen muss, meist sind es drei Stück, kommt noch ein fachdidaktischer hinzu. Will man den Zusatz auf Sekundarstufe 1 machen, reicht ein sog. Sek1-Schein – eine Hausarbeit. Das Problem ist im Studium auf Lehramt, dass die Pädagogik und die Fachdidaktik einen viel zu kleinen Anteil haben, was zur Folge hat, dass viele Studenten mit einem mulmigen Gefühl an die Schulen gehen, weil sie denken, dass sie nicht ordentlich vorbereitet sind.
Die Universität tut hierfür bei den Studenten zu wenig. Lehramtler sind immer schon die „schlechteren“ Studenten gewesen, die in der Hierarchie weit unter dem Diplom und dem Magister rangieren. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen nur marginal. In manchen Studiengängen kann man mit 3-4 Scheinen mehr sogar sein Diplom oder Magister draufsatteln. Dass in den Schulen teilweise diplomierte Politologen, Sportlehrer oder Mathematiker stehen, fällt den Leuten selten auf. Vielleicht sollten mehr Lehrer mit ihren Abschlüssen hausieren gehen?

Das Referendariat, quasi eine völlig unterbezahlte Vollzeitstelle in der Schule, beinhaltet im Übrigen noch die zusätzlichen Lehrerseminare an, die nachmittäglich stattfinden. Sicherlich ist man mit dem zweiten Staatsexamen immer noch nicht optimal vorbereitet, jedoch sollte jeder angehende Lehrer nun das fachliche und didaktische Rüstzeug besitzen, um seine zukünftigen Schüler ordentlich zu unterrichten.
Dass es oft Studenten gibt, die ihren späteren Beruf unterschätzen und sich an das allgemeingültige Bild eines Lehrers orientieren, also jemand mit viel Ferien, viel Freizeit und einem leichten Leben an sich, lässt sich von vornherein vermeiden. Ein obligatorisches Praktikum vor dem Studium von vielleicht 4-6 Wochen wäre eine Möglichkeit, vor dem Studium schon Erfahrungen in diese Richtung zu sammeln, um dann zu entscheiden, ob ich überhaupt Lehrer werden will. Zumindest spart man sich dann einige Semester an Studium. An den Universitäten könnten Lehrer Übersichtsveranstaltungen über ihren Beruf machen, damit die angehenden Studenten von der Quelle erfahren, was auf sie zukommt.
Der Härtetest ist nichtsdestotrotz schon vorhanden: Die diversen Pflichtpraktika im Studium. In mehreren kurzen Phasen von 4-8 Wochen lernen die Studenten das Leben in der Schule und das Unterrichten vor einer Klasse. Leider schaffte man das Optimum mit den neuen BA/MA Studiengängen ab: Das Halbjahrespraktikum verband ein Semester mit diversen Begleitveranstaltungen an der Uni mit der sechsmonatigen Praxis in der Schule. Man konnte sich also ein halbes Jahr lang voll auf die Schule konzentrieren und musste nicht einen Teil der mit Arbeit vollgestopften Semesterferien für ein Praktikum opfern. Des Weiteren hatte man zusätzlich eine viel engere Beziehung zu den Klassen, in denen derjenige unterrichtete. Schüler lernten den Lehrenden kennen, während dieser wiederum die Namen der Schüler auswendig wusste. In den Schulen beklagt man diesen Umstand, da diese Langzeitpraktikanten vielseitig einsetzbar waren und größtenteils sehr ambitioniert arbeiteten. Bei den kurzen Phasen ist dies selten möglich, ebenso, finde ich, lässt sich Schule kaum in den wenigen Wochen kennenlernen.

Der Halbtagsjob Lehrer trifft wahrscheinlich nur auf die Personen zu, die jedes Jahr die gleichen Blätter kopieren und sich dank eines umfangreichen Angebotes von Lehrwerken und Arbeitsbüchern, zurücklehnen können. Ein Lehrer, der viel Freizeit hat und selbst kein Unterricht vorbereitet, wird wohl kaum dem Burn Out erliegen.

Aber wer Lehrer werden will, sollte sich im Klaren sein, dass vor allem das Referendariat der Teil der Ausbildung wird, bei dem die meisten Leute scheitern. Eine 18 bzw. 24 monatige Belastung von 50-60 Stunden in der Woche sind dabei keine Seltenheit. Wer nun das Studium als Notlösung sah, wird hier kräftig auf die Fresse fallen.

Dienstag, 13. Mai 2008

GTA 4 mit Uwe Boll?

Uwe Boll ist Regisseur. Mehr mag ich dazu nun nicht sagen. Allgemein befindet die Kritik über ihn sehr negativ. Er fällt lediglich mit diversen Boxkämpfen auf und vermöbelt seine Kollegen. Eben weil er es kann und diese nicht wissen, dass er durchaus schon des öfteren geboxt hat. Naja, und mit vielen schlechten Filmen eben. Meiner Meinung nach.

Aber neuerdings hat er sich in den Kopf gesetzt, GTA 4 zu verfilmen. Er dazu:
"Grand Theft Auto wäre super interessant für mich und ich denke, ich wäre genau der richtige Mann dafür, denn alle meine Filme sind blutig und voller Gewalt, und ich habe kein Problem mit Action Szenen. Aber natürlich würden wahrscheinlich Michael Bay oder Brett Ratner den Film machen, der dann 150 Millionen Dollar teuer sein wird und eine FSK 16 bekommt. Ich denke, es wäre besser, eine harte, brutale Umsetzung zu machen ohne Kompromisse für nur 30 Millionen Dollar, aber ich bin da nicht sehr optimistisch, dass ich das Projekt bekommen würde."
Nebenbei hat er noch Michael Bay zu einem Boxkampf herausgefordert. Und er hat zugesagt. Sagt Boll. Bay mag aber nicht und schickte über seine Anwälte ein Schreiben, dass er nie zugesagt hätte, er dieses auch nicht in Zukunft vorhat und er (Boll) es gefälligst lassen soll, solchen Unsinn zu verbreiten.

Boll, der passionierte Boxer, muss wohl gegen einen anderen Kollegen boxen.

Was ich mich frage: Warum will Boll immer gegen andere boxen? Vor allem gegen Kollegen? Wo ist da der Zweck?

Wenn ich etwas besonders gut kann und genau weiß, einem anderen darin überlegen zu sein, muss ich das denn so heraushängen lassen?

Oder aber man misst sich in der jeweils anderen Disziplin. Nach einem Boxduell zwischen Boll und Paul Haggis müssten beide dann danach auf den Regiestuhl. Und ich wette, es steht am Ende 1:1. Weil Haggis nicht boxen kann und Boll den schlechteren Film abliefern würde.

So denke ich mir das.

Quelle: http://onipepper.de/2008/05/13/gta-iv-uwe-boll-denkt-er-waere-der-richtige-fuer-den-film

Mittwoch, 30. April 2008

Piraten entern das Spiel Crysis?

Das Computerspiel Crysis vom deutschen Hersteller Crytek gilt als eines der besten Spiele auf dem PC. Da es exklusiv für dieses System erscheint, bleiben Konsolenfans außen vor.
Das soll sich nun laut Crytek ändern. Man will zukünftig seine Spiele auch für die neue XBOX360 oder die PS 3 entwickeln.

Der Grund hierfür sind die schlechten Verkaufszahlen von Crysis und die gleichzeitig auftretenden Probleme mit der Internet-Piraterie - denn das Spiel steht laut Crytek unangefochten und mit weitem Abstand auf Platz 1 der Raubkopierlisten.

Auf Winfuture.de heißt es:
"Man leide derzeit unter der großen Piraterierate bei Crysis. Das Spiel führe die Hitliste der meistkopierten Spiele mit großem Abstand an, so Yerli. Eine solche Führungsposition sei nicht zu wünschen. Crysis habe gezeigt, wo das Problem beim PC-Gaming liegt - bei der Piraterie."
Die Plattform PC würde durch die Piraterie zerstört werden, vor allem im Hinblick auf die möglichen Verkaufszahlen bei Konsolen, bei denen sich die Pendants zu ihren PC-Derivaten fünf bis sechs Mal so viel verkaufen.

Gut, lassen wir das jetzt so dahingestellt. Selbstverständlich kommt nun allerdings das "Aber".

1. Hierbei sind die hohen Hardwareanforderungen zu nennen, die das Spiel an den User stellt. Mit einem Hochklassigen Dual- oder Quadcore und einer Grafikkarte für 200-300 Euro lässt sich Crysis gut spielen. Je nachdem was man also für Vorlieben hat bezüglich Auflösung und Details muss man also entweder gleich einen Rechner für 700-900 Euro kaufen (oder doppelt so viel für die höchste Detailstufe) oder sich Crysis auf 800x600 mit total gammeliger Grafik anschauen. So wie ich es bei der Demo tun musste. Bestimmt tolles Game, aber mit schlechter Grafik macht es keinen Spaß und sieht aus wie CS :)

2. Crysis kostet im Laden oder bei einem bekannten Versandhandel im Internet ca. 55-60 Euro. Das sind schon fast konsolenähnliche Preise. 100-120 Mark... PC-Spiele fingen höchstens zu D-Mark Zeiten noch bei 70-80 Mark an.

3. Das Spiel kam am 17. November 2007 in den Handel und belegt in der Kategorie Bestseller-Games bei Amazon Platz 99, bei EGO-Shootern sogar Platz 3. Zum Vergleich: Die halbwegs direkten Konkurrenten Assassins Creed und Call of Duty 4 kosten jeweils 42,95 € bzw. 43,95 € und rangieren in der Bestsellerliste auf den Plätzen 13 und 36.
Call of Duty 4 erschien knapp zwei Wochen vor Crysis, ist aber weitaus billiger und verkauft sich öfter. Das Assassins Creed soweit oben ist, liegt nicht nur am Preis, sondern auch daran, dass es erst vor wenigen Wochen erschienen ist. Trotz der Neuheit kostet es weniger als Crysis.

4. Stimmt es denn überhaupt, dass Crysis so oft und viel kopiert wurde, dass der finanzielle Schaden so immens für die Firma ist? Steht es wirklich mit weitem Abstand auf Platz 1? Wo gibts so eine Liste einzusehen?
Sicher muss man dies nicht vom Fleck weg glauben, jedoch hat mich diese Aussage interessiert und ich habe mal auf der einzigen mir bekannten Bittorrentseite nachgeschaut. Diese Seite ist allgemein bekannt, wird oft z. B. in den Medien genannt und sich in den Hitlisten dort umzusehen ist ja nicht strafbar oder so. Also in der Piratenbucht rangiert bei den PC-Spielen Crysis auf einem 8. Platz. Auf dem 1. Platz steht Assassins Creed, auf 4tens finden wir Call of Duty 4. Da meines Erachtens hier nur die Spiele angezeigt werden, die im Moment den meisten Zulauf haben, lässt sich dies als nicht repräsentativ ansehen. Jedoch: Das derzeit (!) meistkopierte Spiel ist laut der Piratenbucht Assassins Creed. Mit etwas Abstand kommt dann erst Crysis.

5. Bei Spielen allgemein ist die Crux mit dem PC freilich ersichtlich und man muss ihm hierbei zustimmen, wenn er sagt, dass Konsolen in Bezug auf Raubkopien klar im Vorteil sind. Bezieht man die Konsolenspiele also mit ein in die Liste, rückt Crysis nur zwei Plätze nach hinten, da ein Sony PSP und ein Nintendo Wii Spiel hinzukommen.

6. Crysis verkaufte sich in den USA bis Mitte Dezember nur ca. 90.000 Mal. Also ein Flop laut GameZone. Verkaufte sich FarCry nicht ähnlich schlecht in den USA? Konsolenland USA? Am 31. Januar berichtet Shacknews über die weltweiten Verkaufszahlen des Spiels: 1 Million, Platin-Status. Auch hier und bei der PG Games wird darauf hingewiesen, dass der PC-Martk in Europa sehr viel stärker ist und die Amerikaner wiederum ihre Shooter auf Konsolen zocken.

Am Schluss lässt sich vielleicht sagen, dass die Raubkopien nicht die alleinige Schuld an der vermeintlich schlechten Lage Cryteks tragen. Aber wenn man einen Schuldigen sucht, sind es sofort die Piraten, weil man diesen am besten die Schuld zuschieben kann. Verlässliche Zahlen lassen sich hier nicht erheben und im Umkehrschluss bietet dies natürlich eine gute Angriffsfläche.

Ein Quarterback-Trainer aus den USA sagte mal zu mir: "Wenn der Ball nicht zum Receiver kommt, solltest du dich zuerst fragen, ob dein Pass scheiße war und dann erst, ob der Receiver ihn hätte fangen können."
Links:

http://www.shacknews.com/onearticle.x/51081
http://www.next-gen.biz/index.php?option=com_content&task=view&id=8352&Itemid=59
http://www.gamezone.de/news_detail.asp?nid=58490

http://www.winfuture.de/news,39126.html

In Sachen iFNG in Bremen...

...lässt sich eigentlich nur noch wenig hinzufügen. Insgesamt war es wirklich sehr voll dort und interessant, aber...

Positiv:

- Rauchverbot in den Innenräumen
- Sehr viel Platz veranschlagt für die Veranstaltung
- Aufbau der Bühne sehr cool
- Publikum ging oft mit :)

Negativ:

- Als Nicht-Premium-Mitglied bekam man trotz 3 Euro Eintritt kein Event auf seinem Punktekonto gutgeschrieben, was angesichts des Eintrittspreises relativ lächerlich ist (Premium kostet ~3 € pro Monat, der iFNG Eintritt dann 1 €).
- 0,3 frisch gezapftes Bier für 3,50 €, vor allem bei einem meist jugendlichen Publikum ein sehr unangemessener Preis.
- Die Leute beim Einlass fanden sich wohl besonders wichtig und waren zudem sehr unfreundlich.

Mit welchem Problem die Veranstalter schon in Hamburg zu kämpfen hatten: Nach dem letzten Spiel hauen alle Besucher ab, die darauf folgenden Interviews mit den Spielern interessieren leider keinen mehr :)

Also:

- Bessere Leute am Einlass platzieren, die ebenso freundlich sind, wie das Hotel Maritim Personal

- Mehr Stühle für die Besucher

- Billigeres Bier (~2,50 wäre okay)

- Eventpunkte auch für nicht zahlende Mitglieder der ESL

- Anreiz schaffen, um nach dem CS-Spiel noch dazubleiben. Wie z. B. die Verlosungen an das Ende des Events zu stellen (wie mit dem Ja-Nein-Spiel)

Letzteres macht insofern sogar Sinn, weil man dann als ESL die Events evaluieren könnte. Die Mitglieder, die ihr Bremen-iFNG auf dem Konto haben, bekommen einen Fragebogen und können darauf verschiedene Aspekte ansprechen, die ihnen gefallen oder nicht gefallen haben und eventuelle Verbesserungsvorschläge nennen. Leute, die dort nicht zugeschaut haben, bleiben also ausgeschlossen von der Umfrage und somit ergibt sich hoffentlich ein durchaus repräsentatives Ergebnis.

iFNG_2

Dienstag, 25. März 2008

Visionen und Utopien: Die Musikindustrie verschwindet

Geben wir uns mal drei Utopien hin, wobei hoffentlich die erste, wahrscheinlich jedoch die zweite, mittelfristig dann die dritte auftreten wird. Allerdings, und wir können es uns doch eh schon denken, bleiben die drei folgenden Vorschläge nur das, als was ich sie hier tituliere: Visionen einer besseren oder schlechteren Welt, die aber an bestimmten Personen oder Firmen scheitern, respektive am Volk selbst. Denn die einen haben schlichtweg Angst, selbst überflüssig zu werden und die anderen sind zu faul, um zu protestieren.

Ein Artikel bei Heise hat mich eben darauf aufmerksam gemacht. Es geht um die Musikindustrie. Sony BMG möchte möglichst bald, ganz sicher (!) aber dieses Jahr noch, eine Musikflatrate herausbringen. Wie das alles aussehen soll, wissen sie selber nicht. Der Preis wird bei 6-8 Euro liegen. Ich bezweifle das und sage mal 9,99-19,99 voraus. Schließlich ist dies hier meine Utopie und ich bin der Visionär.
Es wird unterschiedliche Modelle wie bei Napster geben, das steht fest. Das oberste Preissegment bietet wahrscheinlich dem User die Musik als Eigentum an, was lediglich das MP3-Äquivalent zur gekauften CD ist. Aber, und da visioniere ich hier wieder herum, letzteres wird sich die Musikindustrie nicht trauen. Weil da nicht genug Geld bei herauskommt.

Die großen Firmen halten immer noch an ihrer guten, alten CD fest. Warum sie das immer noch tun und nicht endlich mal den Markt und die Käufer beobachten, bleibt mir ein Rätsel. Wenn uns der Vorstandschef dann sagt, dass die Gewinnmargen im digitalen Bereich besser sind, wie im CD-Geschäft, fragt sich der Visionär hier schnippisch: „Ach, wirklich?“
Schon vor Jahren hätte man sich auf den Onlinevertrieb von Musik konzentrieren müssen. Dies wäre eine passende Reaktion auf die ganze Raubkopiererei gewesen. Aber nein, man kleistert den fairen und zahlenden Nutzer mit DRM-Müll zu, damit dieser, obwohl er ja gutes Geld lässt, bloß nicht die Mucke weitergibt an andere. Der ehrliche Kunde bleibt der Dumme, während sich der Raubkopierer frei mit seiner Musik bewegen kann. Auf CD, auf den Player, auf den USB-Stick fürs Auto, die Freundin will vielleicht auch noch 1-2 Songs für ihren MP3-Player. Damit hat derjenige immer noch nicht die Musik an andere verteilt, wovor die Musikindustrie ja ausgeht. Aber dies ist vielleicht nur ein einfältiges Beispiel eines großen Visionärs, der dieses Wort jedes Mal erst mit V-i-o beginnt und dann löschen drückt und mit V-i weitermacht..

Die positivistische Utopie könnte eine ganz simple sein, die ich auch schon bereits an einigen anderen Stellen gelesen habe. Die Musikindustrie verschwindet, weil sich die angestammten Künstler auf den Onlineverkauf ihrer Musik konzentrieren. Leute wie Moby oder Madonna haben dafür eigene Portale Sei es auf CD, die mittlerweile ein angesehener Luxusgegenstand ist, oder als MP3. Die Künstler brauchen weder Label noch Vertrieb. Sie verkaufen sich von selbst und das wissen sie auch.
Die kleineren Labels könnten ihre Musik direkt auf ihren Webseiten verkaufen und es würden sich auch hier Portale von unabhängigen Künstlern bilden.
Die großen Firmen versuchen noch in ihren letzten Atemzügen dagegen anzukämpfen. Sie drohen mit Klagen, überziehen die Sender weiterhin mit angsteinflößender Werbung. Freie Musik ist Kommunismus und das wollen die Bürger nicht. Doch die lachen nur noch, während sie eine nette E-Mail an einen Künstler schreiben, der ein absolutes erste Klasse Album herausbrachte und sie es bei ihm kauften – für 5 Euro. Das Argument der Dinosaurier, Musik würde durch ihre Freiheit schlechter werden, zieht also auch nicht (mehr).
Keiner will mehr die billigen, 10-Jährigen Kinder auf der Bühne sehen, die nach einem Hit wieder verschwinden und wenig später dann die nächste, frische Kopie davon kommt und ihre Texte vom Band trällert, die sie vorher doch so mühsam auswendig gelernt hat. Denn der Text stammt aus einer Hit-Maschine.

Aber mal ehrlich: Die Musikindustrie und verschwinden? Wers glaubt…

Nachdem die Musikindustrie nun endlich durch Marktforschung gemerkt hat, was ihre Kunden wollen, nämlich digitale Musik (siehe Artrikel), hatte man monatelang gegrübelt. Wie packen wir das Ganze nun an? Müllen wir weiter mit DRM-Maßnahmen herum? Geben wir dem User die Musik für immer? Die Überlegungen, dass so eine Flatrate mit 20 Euro viel zu billig wäre und wie man denn sonst überleben könnte, führten schließlich zu einem Preis von 100 Euro monatlich. Mit DRM. Denn eigentlich war man mit den Preisen ja nie zufrieden. 99 Cent für einen Song? Das spiegelt nie den Wert der Musik wieder sagt unser Vorstand im Interview.
Alles supi dachten sich die Vorstände und rieben sich die Hände, während in den Augen die Dollar (oder Euro) Zeichen klingelten. Doch es klingelte nicht. Schuld waren die Raubkopierer, nicht der Preis. CD-Verkäufe sanken weiter, nicht weil die Musikindustrie langsam zu einem lächerlichen Konglomerat von geldgeilen Irren verkam, nein, weil sie sich mit ihrer Preispolitik lächerlich machten und weiterhin das verloren, was schon die letzten Jahre schwand: Ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit. Denn für viele sind sie nur noch Firmen, die ihre CDs teurer machen und dies legitimieren mit den Abermillionen an Raubkopien. Gerne wird hier die Zahl maßlos übertrieben. Das fand man heraus. Dann funktioniert die CD zu Hause nicht, weil der Kopierschutz Probleme macht. Dann drangsaliert man den frustrierten Kunden auch noch online.

Die letzte Utopie: Die Musikindustrie besinnt sich, bietet eine faire Preis- und Vertriebspolitik an. Die Nutzer zahlen 20-30 Euro pro Monat für eine „echte“ Flatrate und dürfen alles runterladen und auf ihre Player packen, wie sie wollen. CDs kommen zu vernünftigen Preisen in die Läden. Keine neuen Alben mehr für 18 Euro, sondern für 11 oder 12 Euro, Maxi-CDs für 5-7 Mücken. Das wäre mal nen Ding, hm?


Nicht vergessen, Utopien sind meist immer etwas übertrieben, um die Missstände direkter aufzuzeigen :)

Link zu Heise: http://www.heise.de/newsticker/Sony-BMG-will-mit-Musikflatrate-Musikabsatz-ankurbeln--/meldung/105455


Ansonsten kann man super Musik immer noch auf Youtube hören:

Sonntag, 23. März 2008

"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" - Dokumentation über den SA-Führer Hanns Ludin

Eigentlich sollte dies nur ein kurzes Update werden. Aber wie immer kommt alles anders im Leben. Ha!
"Die Durchführung der Evakuierung der Juden aus der Slowakei ist im Augenblick auf einem Toten [sic] Punkt angelangt." - Telegramm ans Auswärtige Amt vom 26. Juni 1942[1]
Die Doku, welche in den Kritiken hochgelobt wurde, war schon recht heftig. Erstens hat sich der Regisseur selbst mit der Suche nach einer Antwort sichtlich gequält und gleichzeitig seine Geschwister, die teilweise noch geleugnet haben, als wirklich alles zu spät war, mit einbezogen hat. Malte Ludin zeichnet hier ein präzises Bild einer allgemeingültigen Kultur von kollektiver Leugnung bis zum Erbrechen - seine Figuren entsprechen sicherlich auch diesen gängigen Mustern.

Das einige Menschen mit der Vergangenheit ihrer Väter nicht klargekommen sind, weiß man heute. Leider fällt mir kein explizites Beispiel ein, bzw. ich habe keine Lust in meinen Ordnern nach der Notiz zu suchen. Jedenfalls hat ein Sohn, als er herausfand, wer sein Vater war und was er im Dritten Reich gemacht hat, sich daraufhin das Leben genommen. Ich kann mir vorstellen, dass dies kein Einzelfall war.

Wer sich also mit Entnazifizierung befasst, sollte nicht nur die Nürnberger Prozesse im Kopf haben, sondern auch die kleinere Variante wählen: die Nachkriegsgesellschaft mit ihrem Umgang mit dem Nationalsozialismus und den Familien, die so schnell wieder die Nazis verdammten, wie sie ihnen 1933 zujubelten.

Der kleine Kosmos kann auch die eigene Familie sein. Zumindest kenne ich jemanden, dessen Großvater in der Stube noch den Blut+Eisen Dolch hängen hat. Oder die Großmutter eines Freundes, die einfach zum Beauftragen zur Entnazifizierung ging, in diesem Fall ein Pastor, und dieser sie persönlich kannte. Er meinte zu ihr, es wäre ja nun alles vorbei und sie stimmte ihm zu. Das war alles. Angeblich war sie beim BDM...

Wie die Entnazifizierung in Bremen abgelaufen ist, weiß leider keiner, da es darüber so gut wie nichts gibt. Die Mitarbeiter der Archive würden sich bestimmt freuen, mal was anderes in diesem Fall zu tun zu haben, als nur Bücher zu verleihen. Als Thema bestimmt nicht schlecht für das Examen. Nur so mein Gedanke...

Ein anderer Gedanke war, diesen Film vielleicht im Unterricht zu behandeln. Erstens, weil er gutes Material über Verarbeitung der Familien mit ihrer Vergangenheit hat und zudem man in medienwissenschaftlicher Hinsicht sehr viele Stilelemente erkennen kann, die hier genutzt wurden. Auch, wie man Oral History als Methodik einsetzt - ein Mittel, was uns aufgrund der bald nicht mehr vorhandenen Kriegsgeneration in Bezug auf das Dritte Reich nicht mehr zur Verfügung steht.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Ludin (überblicksmäßig, wirklich gut ist er nicht, allerdings sind Literatur und Links wiederum 1a)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0728/magazin/0001/ (sehr guter Text)

http://mdz1.bib-bvb.de/~rt/select.html?suchbegriff=&name=Ludin&schlu=reichstag24&recherche=ja (Digitale Bibliothek: Datenbank der Reichstagsabgeordneten)

[1] Zitiert nach: Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2005, S. 382.

Sonntag, 24. Februar 2008

Doppelter Musenkuss

-Interessant, wenn man bemerkt, dass man den vorherigen Beitrag schon einmal verfasst hat und zwar vor dem Schlafengehen letzte Nacht.

- Noch besser: Die Fehler im Artikel sind lustig, der Sinn meistens verquer, aber gute Einfälle waren drin.

- Was dann das Beispiel mit Amy Whinehouse (deren Musik ich sehr schätze und gerade höre), Pete Doherty (den ich nicht mal Ansatzweise schätze) und Britney Spears (urgh...) in dem Text zu suchen hat, kommt mir nicht in den Kopf.

- Ich hab wieder ziemlich weit ausgeholt, was vielleicht ein wenig den dritten Strich beantworten würde.

- Ich hatte den Beitrag nur zur Hälfte fertig und denke nun direkt an die anderen drei Geschichten, die ich hier noch rumliegen habe. Sie alle sind angefangen, aber nicht fertig, was bei mir langsam zur Praxis wird.

Jaja, so is das im knallharten Bloggergeschäft.

Dienstag, 19. Februar 2008

Konsolen ausleihen is ganz schön teuer...

Eben bei zwei Videotheken angerufen, was zweierlei Gründe hatte. Zum einen steht nirgends auf deren Webseiten, welche Konsolen zu verleihen sind und zum anderen werden auch nur höchst selten die Preise von Filmen, spielen, usw. gelistet.

Was auch immer, jedenfalls gibt es bei einer Kette eine Nintendo Wii für freundliche 2,50 pro Tag. Die Kaution ist sicherlich nicht nur für Studenten happig: 150 Euro wollen sie als Sicherheit haben. "Ich lass euch höchstens meine Jacke da..." tönt es in meinem Kopf.

Die Filiale der Konkurrenz hatte glatt alle drei aktuellen Konsolen vorrätig. Eine Wii gibts hier für noch erschwingliche 3 Mücken pro Tag, die Kaution beläuft sich auf 125 Euro.
Nun wird es folglich nicht besser, denn wir erinnern uns, dass die Wii neben PS3 und Xbox360 noch die billigste Konsole auf dem Markt ist.
Also die Xbox360 von MS kostet ebenfalls 3 Euro pro Tag und dazu noch gnartschige 250 Euro Kaution. Die Deluxe-Konsole, also die Jacobs-Krönung der Zocker und Gamer, wird für nen Heiermann pro Tag (5 Euro!) feilgeboten und dazu kommen noch 300 Euro Kaution.

Die Idee, sich eine Konsole zu leihen und heute Abend etwas zu daddeln fällt also flach. Aber als Student hat man ja immer noch den guten Alkohol.

Donnerstag, 7. Februar 2008

12 Jahre bis zum Abitur ein Desaster? ZEIT-Artikel

Die gute ZEIT widmet sich in ihrer Online-Sparte dem Thema rund um das zwölfjährige Abitur, wie Schüler damit (nicht) klar kommen und Lehrer ebenso völlig überfordert sind. Was eine logische Konsequenz ist und völlig zu erwarten war, nachdem unsere lieben Politiker das Konzept in den Himmel lobten, bricht nun langsam aber sicher unter seiner eigenen Last zusammen.

Zum Artikel geht es hier lang:

http://www.zeit.de/2008/07/Gymnasialzeit

Viel Spass beim Lesen!

Samstag, 2. Februar 2008

Brandeins über die Maddie-Werbung in Titanic und warum Journalisten über unwichtige Dinge berichten

Der Journalist Jens Bergmann hat sich mal mit der vergangenen Hetz-Kampagne der Medien gegen die Maddie-Satire in der Titanic auseinandergesetzt und lässt dabei kein gutes Haar an seinen schreibenden Kollegen.

Ich hatte ja bereits schon mal in einem Eintrag darauf hingewiesen, dass Medien sich gerne auf Themen werfen, die an einem Tag wichtig sind, am folgenden Tag aber nicht mehr von Bedeutung sein könnten. Oder aber: man bastelt sich Nachrichten zusammen, schreibt die Überschriften hetzerischer und polarisiert noch mehr, damit sogar irgendein dämlicher Scheiß zur Titelzeile hochstilisiert wird.

Hier einige Ausschnitte:
"Dummerweise gibt es aber mittlerweile ein Missverhältnis zwischen solchen spektakulären Ereignissen und den Seiten und Sendeplätzen, die gefüllt werden wollen. Deshalb neigen Journalisten zur Übertreibung: Jede inhaltliche Kontroverse zwischen Politikern wird zum Skandal aufgeblasen, jede Grippewelle zur drohenden Pandemie, jedes Umweltproblem zur Katastrophe. Weil dieser Dauer-Alarm abstumpft, wird der Regler immer höher gedreht."
"So entließ der Zeitschriftenverlag Time Inc. ("Time", "Fortune"), eine Tochter des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner, vor einiger Zeit Hunderte Journalisten, darunter die Reporter Donald Barlett und James Steele. Die beiden sind herausragende investigative Journalisten und wurden mehrfach ausgezeichnet, allein zweimal mit dem Pulitzer-Preis. Offizielle Begründung für die Entlassung: Die zwei seien zwar gut, aber zu teuer. Wenige Tage später wurde bekannt, dass derselbe Verlag die exklusiven Bildrechte am Baby von Angelina Jolie und Brad Pitt gekauft hatte. Kostenpunkt: vier Millionen Dollar."
"So brachte das Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" vor einiger Zeit eine fulminante Besprechung des Douglas-Sirk-Films "In den Wind geschrieben" aus dem Jahr 1956. Wer sich das Werk dann zu beschaffen versuchte, erfuhr, warum die Redaktion einer Qualitätszeitung diesen mehr als 50 Jahre alten Streifen so in den Himmel gehoben hatte: Er wird in der Cinemathek des Süddeutschen Verlags vermarktet. Darüber kein Wort im Text."
Lesen bitte!

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