Berufe mit viel Freizeit: Lehrer
Dieser Meinung ist zumindest ein Rezensent von Amazon, der bezüglich eines Buches über das österreichische Schulsystem folgendes meint:
Die universitäre Ausbildung von Lehrämtlern ist natürlich nicht optimal gelöst, dass bezweifle ich nicht und dieser Kritikpunkt kommt auch oft genug in den Seminaren zur Sprache. Von Staatsexamensleuten oder BA/MA-Studenten gleichermaßen.
Die Erziehungswissenschaften sind beim Staatsexamen nur Nebenfach und werden 32 Semesterwochenstunden studiert. In den Hauptfächern, die mit ca. 65 SWS zu Buche schlagen, gibt es fachdidaktische Scheine und Seminare, die zu besuchen sind. Von den etlichen Leistungsscheinen, die man im Grundstudium und Hauptstudium machen muss, meist sind es drei Stück, kommt noch ein fachdidaktischer hinzu. Will man den Zusatz auf Sekundarstufe 1 machen, reicht ein sog. Sek1-Schein – eine Hausarbeit. Das Problem ist im Studium auf Lehramt, dass die Pädagogik und die Fachdidaktik einen viel zu kleinen Anteil haben, was zur Folge hat, dass viele Studenten mit einem mulmigen Gefühl an die Schulen gehen, weil sie denken, dass sie nicht ordentlich vorbereitet sind.
Die Universität tut hierfür bei den Studenten zu wenig. Lehramtler sind immer schon die „schlechteren“ Studenten gewesen, die in der Hierarchie weit unter dem Diplom und dem Magister rangieren. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen nur marginal. In manchen Studiengängen kann man mit 3-4 Scheinen mehr sogar sein Diplom oder Magister draufsatteln. Dass in den Schulen teilweise diplomierte Politologen, Sportlehrer oder Mathematiker stehen, fällt den Leuten selten auf. Vielleicht sollten mehr Lehrer mit ihren Abschlüssen hausieren gehen?
Das Referendariat, quasi eine völlig unterbezahlte Vollzeitstelle in der Schule, beinhaltet im Übrigen noch die zusätzlichen Lehrerseminare an, die nachmittäglich stattfinden. Sicherlich ist man mit dem zweiten Staatsexamen immer noch nicht optimal vorbereitet, jedoch sollte jeder angehende Lehrer nun das fachliche und didaktische Rüstzeug besitzen, um seine zukünftigen Schüler ordentlich zu unterrichten.
Dass es oft Studenten gibt, die ihren späteren Beruf unterschätzen und sich an das allgemeingültige Bild eines Lehrers orientieren, also jemand mit viel Ferien, viel Freizeit und einem leichten Leben an sich, lässt sich von vornherein vermeiden. Ein obligatorisches Praktikum vor dem Studium von vielleicht 4-6 Wochen wäre eine Möglichkeit, vor dem Studium schon Erfahrungen in diese Richtung zu sammeln, um dann zu entscheiden, ob ich überhaupt Lehrer werden will. Zumindest spart man sich dann einige Semester an Studium. An den Universitäten könnten Lehrer Übersichtsveranstaltungen über ihren Beruf machen, damit die angehenden Studenten von der Quelle erfahren, was auf sie zukommt.
Der Härtetest ist nichtsdestotrotz schon vorhanden: Die diversen Pflichtpraktika im Studium. In mehreren kurzen Phasen von 4-8 Wochen lernen die Studenten das Leben in der Schule und das Unterrichten vor einer Klasse. Leider schaffte man das Optimum mit den neuen BA/MA Studiengängen ab: Das Halbjahrespraktikum verband ein Semester mit diversen Begleitveranstaltungen an der Uni mit der sechsmonatigen Praxis in der Schule. Man konnte sich also ein halbes Jahr lang voll auf die Schule konzentrieren und musste nicht einen Teil der mit Arbeit vollgestopften Semesterferien für ein Praktikum opfern. Des Weiteren hatte man zusätzlich eine viel engere Beziehung zu den Klassen, in denen derjenige unterrichtete. Schüler lernten den Lehrenden kennen, während dieser wiederum die Namen der Schüler auswendig wusste. In den Schulen beklagt man diesen Umstand, da diese Langzeitpraktikanten vielseitig einsetzbar waren und größtenteils sehr ambitioniert arbeiteten. Bei den kurzen Phasen ist dies selten möglich, ebenso, finde ich, lässt sich Schule kaum in den wenigen Wochen kennenlernen.
Der Halbtagsjob Lehrer trifft wahrscheinlich nur auf die Personen zu, die jedes Jahr die gleichen Blätter kopieren und sich dank eines umfangreichen Angebotes von Lehrwerken und Arbeitsbüchern, zurücklehnen können. Ein Lehrer, der viel Freizeit hat und selbst kein Unterricht vorbereitet, wird wohl kaum dem Burn Out erliegen.
Aber wer Lehrer werden will, sollte sich im Klaren sein, dass vor allem das Referendariat der Teil der Ausbildung wird, bei dem die meisten Leute scheitern. Eine 18 bzw. 24 monatige Belastung von 50-60 Stunden in der Woche sind dabei keine Seltenheit. Wer nun das Studium als Notlösung sah, wird hier kräftig auf die Fresse fallen.
Daher kommt es, dass Lehrer trotz eines gut bezahlten Halbtagsjobs und massenhaft Freizeit häufig an den Rand des Burn Out kommen.und weiter:
Schlechte Ausbildung der Lehrer, mangelhafte Motivation, schlechtes Image (welches gerechtfertigt ist, in einer Situation wie dieser). Lehrer wird nur jemand, der "für Höheres nicht taugt": Lehrersein ist für viele eine Notlösung - das tut sich niemand an, der bessere Möglichkeiten hat.Da ich nicht wirklich Ahnung vom Schulsystem unserer Nachbarn im Süden habe, vermag ich diese bedingt nützliche Kritik nur auf Deutschland zu beziehen. Was der Herr Rezensent hier ablässt, kann man aber ohnehin problemlos auf Deutschland ummünzen. Schließlich ist die allgemeine mediale Kritik bei uns die Gleiche.
Die universitäre Ausbildung von Lehrämtlern ist natürlich nicht optimal gelöst, dass bezweifle ich nicht und dieser Kritikpunkt kommt auch oft genug in den Seminaren zur Sprache. Von Staatsexamensleuten oder BA/MA-Studenten gleichermaßen.
Die Erziehungswissenschaften sind beim Staatsexamen nur Nebenfach und werden 32 Semesterwochenstunden studiert. In den Hauptfächern, die mit ca. 65 SWS zu Buche schlagen, gibt es fachdidaktische Scheine und Seminare, die zu besuchen sind. Von den etlichen Leistungsscheinen, die man im Grundstudium und Hauptstudium machen muss, meist sind es drei Stück, kommt noch ein fachdidaktischer hinzu. Will man den Zusatz auf Sekundarstufe 1 machen, reicht ein sog. Sek1-Schein – eine Hausarbeit. Das Problem ist im Studium auf Lehramt, dass die Pädagogik und die Fachdidaktik einen viel zu kleinen Anteil haben, was zur Folge hat, dass viele Studenten mit einem mulmigen Gefühl an die Schulen gehen, weil sie denken, dass sie nicht ordentlich vorbereitet sind.
Die Universität tut hierfür bei den Studenten zu wenig. Lehramtler sind immer schon die „schlechteren“ Studenten gewesen, die in der Hierarchie weit unter dem Diplom und dem Magister rangieren. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen nur marginal. In manchen Studiengängen kann man mit 3-4 Scheinen mehr sogar sein Diplom oder Magister draufsatteln. Dass in den Schulen teilweise diplomierte Politologen, Sportlehrer oder Mathematiker stehen, fällt den Leuten selten auf. Vielleicht sollten mehr Lehrer mit ihren Abschlüssen hausieren gehen?
Das Referendariat, quasi eine völlig unterbezahlte Vollzeitstelle in der Schule, beinhaltet im Übrigen noch die zusätzlichen Lehrerseminare an, die nachmittäglich stattfinden. Sicherlich ist man mit dem zweiten Staatsexamen immer noch nicht optimal vorbereitet, jedoch sollte jeder angehende Lehrer nun das fachliche und didaktische Rüstzeug besitzen, um seine zukünftigen Schüler ordentlich zu unterrichten.
Dass es oft Studenten gibt, die ihren späteren Beruf unterschätzen und sich an das allgemeingültige Bild eines Lehrers orientieren, also jemand mit viel Ferien, viel Freizeit und einem leichten Leben an sich, lässt sich von vornherein vermeiden. Ein obligatorisches Praktikum vor dem Studium von vielleicht 4-6 Wochen wäre eine Möglichkeit, vor dem Studium schon Erfahrungen in diese Richtung zu sammeln, um dann zu entscheiden, ob ich überhaupt Lehrer werden will. Zumindest spart man sich dann einige Semester an Studium. An den Universitäten könnten Lehrer Übersichtsveranstaltungen über ihren Beruf machen, damit die angehenden Studenten von der Quelle erfahren, was auf sie zukommt.
Der Härtetest ist nichtsdestotrotz schon vorhanden: Die diversen Pflichtpraktika im Studium. In mehreren kurzen Phasen von 4-8 Wochen lernen die Studenten das Leben in der Schule und das Unterrichten vor einer Klasse. Leider schaffte man das Optimum mit den neuen BA/MA Studiengängen ab: Das Halbjahrespraktikum verband ein Semester mit diversen Begleitveranstaltungen an der Uni mit der sechsmonatigen Praxis in der Schule. Man konnte sich also ein halbes Jahr lang voll auf die Schule konzentrieren und musste nicht einen Teil der mit Arbeit vollgestopften Semesterferien für ein Praktikum opfern. Des Weiteren hatte man zusätzlich eine viel engere Beziehung zu den Klassen, in denen derjenige unterrichtete. Schüler lernten den Lehrenden kennen, während dieser wiederum die Namen der Schüler auswendig wusste. In den Schulen beklagt man diesen Umstand, da diese Langzeitpraktikanten vielseitig einsetzbar waren und größtenteils sehr ambitioniert arbeiteten. Bei den kurzen Phasen ist dies selten möglich, ebenso, finde ich, lässt sich Schule kaum in den wenigen Wochen kennenlernen.
Der Halbtagsjob Lehrer trifft wahrscheinlich nur auf die Personen zu, die jedes Jahr die gleichen Blätter kopieren und sich dank eines umfangreichen Angebotes von Lehrwerken und Arbeitsbüchern, zurücklehnen können. Ein Lehrer, der viel Freizeit hat und selbst kein Unterricht vorbereitet, wird wohl kaum dem Burn Out erliegen.
Aber wer Lehrer werden will, sollte sich im Klaren sein, dass vor allem das Referendariat der Teil der Ausbildung wird, bei dem die meisten Leute scheitern. Eine 18 bzw. 24 monatige Belastung von 50-60 Stunden in der Woche sind dabei keine Seltenheit. Wer nun das Studium als Notlösung sah, wird hier kräftig auf die Fresse fallen.
indylaa - 23. Juli, 19:41

