Bücherkunde

Dienstag, 20. November 2007

"Überflogen" statt "Abgehört"? Sönke Neitzels Taschenbuch zur ZDF-Dokumentation

Also zu allererst muss man Amazon ja mal sagen, dass die Taschenbuch-Ausgabe von Sönke Neitzels „Abgehört - Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945“ nicht heruntergesetzt wurde von 26 Euro auf 10,95 Euro, also 58 Prozent Ersparnis laut Amazon, sondern das Taschenbücher in der Regel sehr viel billiger sind als ihre gebundenen Pendants. Ansonsten würde ja nun eine heruntergesetzte und gebundene Ausgabe des Buches vor mir liegen, oder?

Mehr Korinthenkackerei später.

Ich selbst wurde am vergangenen Dienstag auf das Buch aufmerksam, weil ich die aktuelle Dokumentation am berühmten Nazi-Dienstag auf ZDF mitverfolgte. Dank Seminar in den abendlichen Stunden musste ich zwar bis zum nächsten Tag warten, jedoch leistete die Mediathek des Senders gute Dienste.

The ZDF-Doku
Im Vorfeld hatte ich schon auf SPON über die Doku gelesen und teile die Meinung des Verfassers der Kritik, dass es sich hier nicht um eine der üblichen und qualitativ eher mittleren Dokumentationen Guido Knopps handelt. Hier kommen ehemalige Soldaten zu Wort, die ehrlich zugeben, dass sie damals der Propaganda der Nationalsozialisten erlegen sind und fest an deren Ideologie und Handeln geglaubt haben. Es wird kritisch berichtet und Schauspieleinlagen sollen die Gespräche der Offiziere in Trent-Park nachstellen. Ich werde auf jeden Fall die anderen fünf Teile ansehen. In diesem Sinne empfehlenswert.

The Verfasser
Prof. Dr. Sönke Neitzel hatte das Buch bereits im Jahr 2005 veröffentlicht, die Taschenbuchausgabe erschien diesen Monat. Passend zur Ausstrahlung der Dokumentation im ZDF, dessen wissenschaftliche Beratung er übernommen hatte. Klar, schließlich baut die Serie auch auf den Ergebnissen seines Buches auf. Wie mir scheint, ist Neitzel ein sehr renommierter Wissenschaftlicher, der mit seinen knapp vierzig Jahren schon Stationen durchlaufen hat, wovon andere wahrscheinlich nur träumen. Er betreut eine Reihe von Studenten und begleitet diese zum Teil bei Abschlussarbeiten bis zur Promotion, was sich seiner detaillierten Webseite entnehmen lässt.

The Buch
In seinem Werk, welches ich als billiges Taschenbuch besitze, steuert Ian Kershaw, allen bekannt als herausragender Hitler-Biograf, das Geleitwort bei und es gibt ein extra angefertigtes Vorwort zur Taschenbuchausgabe. Danach folgt der wissenschaftliche Teil, in dem Neitzel über knapp siebzig Seiten seine edierten Quellen kritisch betrachtet und in den Kontext setzt. Was haben also die Offiziere gewusst und worüber haben sie in ihrer Gefangenschaft geplaudert? Natürlich kommen einige brisante Dinge ans Licht, jedoch habe ich die einzelnen Quellen, die nach dem fachwissenschaftlichen Teil kommen und ca. 300 Seiten in Anspruch nehmen, nur vereinzelt gelesen. Im Fließtext gibt Neitzel die Dokumente mit ihren Nummern an, auf die er sich bezieht, man kann also kurz „hinten“ nachschauen. Als Nachteil sehe ich bis jetzt die nach hinten verlagerten Fußnoten an, die sehr viele ebenso wertvolle und akribisch herausgearbeitete Informationen enthalten. Der Lesbarkeit scheint dies geschuldet.

The Miesmuschel
Was ich nun nicht verstehe, warum in der Taschenbuchausgabe so viele Rechtschreibfehler sind. Ich bin auf Seite 73 und habe ca. fünf Fehler selbst gesehen und bestimmt noch mal die gleiche Zahl übersehen. Was nun auf den folgenden 600 Seiten kommt, möchte ich mir anhand der bereits gefundenen Fehler nicht ausmalen. Aber vielleicht war dies ja auch der Letzte, wer weiß das schon. Das Wort „hingen“ passt in dem genannten Zusammenhang auf Seite 71 nun nicht – „hingegen“ wäre, schätze ich, richtig gewesen. Andere Beispiele müsste ich nun raussuchen.

Other Mieschmuscheln
Erst vor kurzem las ich in einer Dissertation über Eugenik ständig denselben Fehler: selbständig statt selbstständig. Einige Semester zuvor machte sich ein Professor über ein Werk eines Kollegen lustig, er fand über 80 Fehler in einem Buch, was bereits in der dritten Auflage war. Fehler im wissenschaftlichen Sektor sind also nicht unüblich, aber Studenten hält man dieses ja noch am liebsten vor, wenn sie mal etwas falsch geschrieben haben.

The End
Dabei wollte ich nur kurz auch mal Herumkacken, nun schweife ich ab und stehe kurz vor einer ausholenden Kritik allen Professoren gegenüber, aber die folgt wann anders. Schlussendlich möchte ich Neitzels Verdienst aufgrund der gefundenen Fehler nicht schmälern, da es seit langem eines der wenigen Bücher ist, welches ich gerne in der Bahn auspacke oder vor dem Schlafengehen noch kurz einige Seiten lese.

Neitzel, Sönke: Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945, erw. und überarb. Aufl., Berlin 2007.

Mittwoch, 1. August 2007

Lese-Tipps

Neben den dämlichen Büchern für die Klausur (nein, bin nicht genervt) habe ich mir natürlich auch die Zeit genommen, nebenbei "normale" Literatur zu lesen. Darum hier nun einige Tipps, wenns mal wieder regnet draußen:

"Harry Potter and the Deathly Hollows" von J.K. Rowling (natürlich!)

"Heeresbericht" von Edlef Köppen (besser als Remarques "Im Westen nichts Neues")

"Der Verdacht" von Friedrich Dürrenmatt ("der schreckliche Alte")

"Fromms" von Götz Aly und Michael Sontheimer (sehr unterhaltsam)

"Geschichte des Dritten Reiches" von Wolfgang Benz (gut geschrieben und verständlich, illustriert mit etlichen Fotos und Abbildungen, gibts bei der Bundeszentrale für pol. Bildung zum Spottpreis)

Mittwoch, 18. Juli 2007

Bundeszentrale für politische Bildung olé!

Von einem Dozenten unfreundlicherweise als Geldschleuder bezeichnet, finde ich die Institution Bundeszentrale für politische Bildung unglaublich gut.
„Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb fördert demokratisches Bewusstsein und politische Partizipation der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, indem sie mit Veranstaltungen sowie Print- und Online Angeboten aktuelle und zeitgeschichtliche Themen aufgreift.“ - Wikipedia
Hier werden unter anderem sehr gute und bekannte Fachbücher zu einem Vorteilspreis (wie auch immer ich das nennen soll) an Interessenten verkauft und man umgeht die z.T. sehr teuren Preise in den hiesigen Buchläden.

Ein Professor empfahl mir dort also nach einem Werk zu schauen, welches wichtig ist für meine anstehende Examensklausur. Im Buchladen für lockere 34,90 € zu haben, entschied ich mich also für die bpb und fand das erwähnte Buch dort leider nicht.

Als passionierter Bücherfuzzie habe ich natürlich fünf andere bestellt. Zum Beispiel Mommsens „Erster Weltkrieg“ oder Alexander Gallus Standardwerk „Staatsformen“. Sehr schön. 18 Euro gut investiert.


Links: http://www.bpb.de

*Update*

Bücher da...habe mal ausgerechnet, was die Dinger im Laden kosten würden...ca. 95 Euro.

Sonntag, 3. Juni 2007

Deutsche Literatur

Das Anlegen einer Literaturliste bedarf oft minutiöser Vorbereitung. Das heißt in erster Linie viel Zeit und Mühe bei der Recherche investieren.
Die habe ich natürlich nicht gehabt, meine Literaturliste fußt auf das Gelesene meiner selbst, sogar nach Autoren geordnet. Viel Ahnung von Fachliteratur habe ich leider nicht, sonst würde ich die auch zum Besten geben.
Als Tipp habe ich noch das Projekt Gutenberg zur Hand, wo diverse Texte der nachfolgenden Autoren bereits zur Verfügung stehen. Zum Beispiel "Ein Landarzt" oder "Leutnant Gustl" sind relativ kurz, aber sehr gut.

Franz Kafka: Die Verwandlung, Vor dem Gesetz, Kleine Fabel, Ein Landarzt, Brief an den Vater

Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl, Traumnovelle

Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel, Vor Sonnenaufgang, Die Weber, Hanneles Himmelfahrt, Die versunkene Glocke, Der arme Heinrich, Und Pippa tanzt!, Der Ketzer von Soana

Goethe: Die Leiden des jungen Werther

Schiller: Luise Millerin (Kabale & Liebe)

Theodor Storm: Der Schimmelreiter

J.R.R. Tolkien: Herr der Ringe

Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker, Der Verdacht, Der Besuch der alten Dame, Die Panne, Das Versprechen, Die Physiker

Stuckrad-Barre: Soloalbum, Livealbum, Was.Wir.Wissen

Charles Bukowski: Aufzeichnungen eines Außenseiters, Der Mann mit der Ledertasche, Das Liebesleben der Hyäne, Den Göttern kommt das große Kotzen

Jochen Schmidt: Triumphgemüse

Wladimir Kaminer: Russendisko, Militärmusik

J.K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Harry Potter und der Feuerkelch, Harry Potter und der Orden des Phönix, Harry Potter und der Halbblutprinz

Donnerstag, 31. Mai 2007

Bücher und so weiter - Teil I

Wenn ich mir – sei es für Geschichte oder Germanistik – Bücher kaufe, freue ich mitunter, dass die in Seminaren verwendete Literatur nicht übermäßig teuer ist. Das Höchste der Gefühle waren der Grammatik-Duden, Reclams Literaturlexikon und ein fast unbenutztes Wörterbuch für Mittelhochdeutsch.
Sicher, die lieben Mediziner oder Biologen geben gerne für ihre Fachbücher über 50-70 Euro aus, was aber nicht bedeutet, dass es dieses in meinen Fächern nicht gibt. Diverse Lexika für deutsche Literatur fangen bei 50 Euro erst an, Fachliteratur mit Hardcover oder bebilderte Ausgaben schlagen oftmals, auch je nach Umfang, mit 50-80 Euro zu buche.
Die Taschenbuchausgabe von Kershaws zweibändiger Hitler-Biografie, eins der Standardwerke, hat mit seinen über zweitausend Seiten einen Preis von ca. 50 Euro. Die gebundene Ausgabe von Joachim Fests Hitler-Bio kostet 25 Euro, im Gegensatz zur Spiegel-Edition mit ca. 10 Euro.

Bedenkt man, was in den Bibliotheken für Werke stehen, kann man sich ausrechnen, was neue Anschaffungen für Kosten mit sich ziehen, von den ganzen Zeitschriften und Online-Ausgaben mal abgesehen.

Einige Studenten behelfen sich hierbei mit den unzähligen und einschlägigen Internetportalen, die Bücher gebraucht zu einem Spottpreis anbieten. Eine Kollegin erstand eine Originalausgabe von Gerhart Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“ in Frakturschrift für schlappe drei Euro. Ein Betrag, der den wirklichen Wert der Ausgabe weit unterbietet würde ich mal behaupten.

Auf meiner Seite versuche ich, soweit mich die Literatur interessiert und ich das Seminar ebenfalls gut finde, soviel an benötigter Literatur zu erstehen, wie mein finanzieller Rahmen es zulässt. Kurz gefasst: Ich besitze liebend gerne die Bücher, die man in den Veranstaltungen bespricht bzw. diskutiert. Oft habe ich mir auch schon Bücher nachgekauft, die ich mir in der Bibliothek geliehen hatte, nur weil ich sie so gut fand und mir dachte, dass ich sie später sicherlich brauchen könnte. Manchmal sind dies auch Bücher aus der Schulzeit, die damals in den Müll gewandert sind. Selbstverständlich tut mir dies heute leid, obwohl bei „Nathan der Weise“ bin ich mir da nicht so sicher... Den Schimmelreiter musste ich jedoch aufgrund eines Seminars neu erstehen und, obgleich er mir in der neunten ziemlich Missfiel, las ich das Buch in zwei Stunden durch und war hin und weg.

Mein Regal füllt sich also kontinuierlich mit verschiedenen Werken. Sei es nun Hardcover, vereinzelt auch gebundene Ausgaben oder die farblich hervorstechenden gelben Bücher von Reclam. Ich finde es zum Teil sehr blöd, wenn man sich die Textstellen aus Büchern nur herauskopiert und damit seine Ordner füllt. Klar, Aufsätze aus Zeitschriften gehören hier vielleicht nicht dazu, ebenso Texte bzw. Quellen aus dem Netz, aber Bücher machen sich einfach besser im Regal. Finde ich.
Mein Schuhkarton für Fachaufsätze hat noch einen überschaubaren Rahmen, die Ordneranzahl ist allerdings doch recht groß. Ein Seminar hat sogar einen eigenen Ordner, weil wir ca. 14 Aufsätze hatten, also in jeder Veranstaltung einer.

Heute erst kaufte ich mir gleich zwei Bücher und widerstand gleichwohl drei Anderen, die von mir gekauft werden wollte. Hierbei habe ich mir auch angewöhnt, dass ich mir vorher Rezensionen der Bücher anschaue um mögliche (fatale) Fehlkäufe auszuschließen. Ein Quellenband über die Nürnberger Prozesse kam bei der Kritik schlecht weg, vorher kam ich zum gleichen Urteil, freilich zu spät um es umzutauschen, über 20 Euro weg...

Trotzdem gibt es für jeden sicherlich verschiedene Autoren, bei denen man bedenkenlos zugreifen kann. Im Fach Geschichte ist dies im Moment bei mir Götz Aly, der mit seinen Büchern über das Dritte Reich die Forschung aufmischt, weil sie einfach eine unkonventionelle Herangehensweise haben und der Autor damit gestandenen Historikern auf der Nase herumtanzt.
Nach „Volkes Stimme“, was unter Mithilfe von Studenten in einem Seminar entstanden ist, habe ich mir jetzt die erweiterte Ausgabe von „Hitlers Volksstaat“ gekauft und bin, soweit ich gelesen habe, beeindruckt. Leider kommt dank Aly nun der Herr Eugen Kogon mit seinem Standardwerk „Der SS-Staat“ ein bisschen zu kurz...
Zum Schluss eine kleine Liste von Literatur für Geschichte, die ich für empfehlenswert halte:

Ian Kershaw, Hitler 1889-1936, Stuttgart 1998.
Ian Kershaw, Hitler 1936-1945, Stuttgart 2000.
Joachim Fest, Hitler – Eine Biographie, 8. Aufl.,Berlin 2006.
Joachim Fest, Ich nicht : Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend, Reinbek 2006.
David Clay Large, Hitlers München : Aufstieg und Fall der Hauptstadt der Bewegung, München 1998.
Eugen Kogon, Der SS-Staat : das System der deutschen Konzentrationslager, München 1980.
Götz Aly, Volkes Stimme, Frankfurt am Main 2006.
Götz Aly, Hitlers Volksstaat, durchges. und erw. Aufl., Frankfurt am Main 2006.
Patrick Geary, Die Merowinger, München 1996.
Jürgen Reulecke, Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt am Main 1985.
Eine Liste für deutsche Literatur kommt am Wochenende.

*Auch wenn es sich nun ein wenig so anhört, aber mein Interesse gilt auch einer anderen Zeit, als der des dritten Reiches.

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