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Stell dir vor, Bremen verliert über 60% der Lehrer und keiner schaut hin.

Vor einigen Monaten klang das Thema schon einmal an: In Bremen gehen in den nächsten zehn Jahren über 60 Prozent der Lehrer in den Ruhestand. Diese Tatsache hat nichts spezifisches mit dem Bundesland Bremen zu tun, sondern lässt sich problemlos auf ganz Deutschland ausweiten.

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Der Bremer Ableger der Bildungsgewerkschaft GEW teilte bereits im August mit, dass „dem drohenden Lehrkräftemangel frühzeitig mit einem Einstellungskonzept begegnet werden“ muss. Leider – und so ist anscheinend der Stand der Dinge – sehen Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper und ihr Ressort kein Grund zum Handlungsbedarf. Reaktionen der diesbezüglichen Problematik blieben jedenfalls aus.

In anderen Bundesländern werden vermehrt Referendare und Lehrer eingestellt, um dem drohenden Mangel an Pädagogen vorzubeugen. Bisweilen, und das hören wir öfter in den Medien, werden Lehrer abgeworben. Eine bessere Ausbildung für die angehenden Lehrer, kleinere Klassen und ein höheres Entgelt sind nur drei der vielen Gründe, warum Lehrer und Referendare beispielsweise Bremen verlassen und ins Umland, respektive noch weiter weg ziehen.

In vergangenen Einstellungszyklus für Referendare in Bremen bewarben sich über tausend Universitätsabgänger auf knapp 100 freie Stellen. Wer nicht einen Notendurchschnitt von unter 1,5 sein Eigen nennt, der darf sich auf ein weiteres Semester Wartezeit einstellen. Wer eine Stelle bekommt, für den ist indes unklar, was nach der Beendigung seiner Referendarzeit kommt, denn es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass man an derselben Schule, beziehungsweise im selben Bundesland bleibt. Der Bildungsstandort Bremen in Bezug auf die Schulen verliert laut GEW an Attraktivität: „Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer werden nicht mehr jede nächstbeste Stelle annehmen, sondern sich ganz genau die Bedingungen ansehen. Dazu gehören neben dem Verdienst auch die Fragen der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitszeit. In all diesen Fragen gibt es Verbesserungsbedarf, um in der bevorstehenden Einstellungskonkurrenz mit anderen Bundesländern bestehen zu können."

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Um dem entgegenzutreten, schlägt die GEW eine Übernahme-Garantie für Referendare im Lande Bremen vor. Ob dies eine Möglichkeit ist, dem künftigen Lehrermangel vorzubeugen, wage ich zu bezweifeln, da erstens immer noch zu wenige Lehrer eingestellt werden und zweitens die eben angesprochene Attraktivität des Standortes Bremen dadurch nicht verbessert wird. Warum sollte man als fertiger Referendar diese Möglichkeit nutzen, wenn anderswo mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen winken? Die Garantie auf Einstellung könnte dann womöglich nur als Übergangslösung fungieren, bis andernorts etwas besseres frei geworden ist.

Nichtsdestotrotz macht der Vorschlag der GEW durchaus Sinn, wenn die eben angesprochenen „Missstände“ hier in Bremen beseitigt werden. Mit einer groß angelegten Einstellungswelle von Referendaren könnte man zumindest teilweise dem anstehenden Lehrermangel hier in Bremen entgegentreten. Gleichzeitig müssen Verbesserungen für den Beruf des Lehrers hier in Bremen geschaffen werden, um das Personal einerseits zu halten, andererseits aber auch Lehrkräfte aus anderen Bundesländern nach Bremen zu locken. Wird dann schließlich die Übernahme-Garantie in Anspruch genommen, können Bremer Schulen z. B. auf konstante und stabile Kollegien hoffen sowie mit den bestehenden Lehrerzahlen planen.

Problematisch sind hierbei die nötigen Kapazitäten im Landesinstitut für Schule (kurz: LIS), die bei einer Einstellungswelle aufgefangen und kompensiert werden müssen. Bremen könnte sich langfristig darauf einstellen, vermehrt Referendare auszubilden und somit zukünftig ausreichend Kapazitäten bei der Lehrausbildung schaffen. Bei kleineren Ausbildungsjahrgängen besteht zudem die Möglichkeit, dass aus angrenzenden niedersächsischen Gemeinden Referendare nach Bremen geschickt werden. In der Regel sind hier die Wege zur Ausbildungsstätte sehr weit und nur mit dem Auto halbwegs vernünftig zu erreichen. Der Weg nach Bremen stellt hierin womöglich die einfachere Lösung dar. Unter den Bundesländern könnte man sich sicherlich auf einen finanziellen Ausgleich bemühen.

Nichtsdestotrotz wird hier vorerst in Bremen nichts passieren. Und wie es meistens so ist, wird das Problem erst dann angegangen, wenn es bereits zu spät ist. So kommt man von den sowieso schon überfüllten Seminaren in der Universität quasi direkt in die überfüllten Räume des Landesinstituts für Schule. Und was bei riesigen Klassengrößen herauskommt, dass wissen wir ja.
Siehe auch: http://bildungsklick.de/pm/62485/gew-bremen-zum-schuljahresanfang/

Und lokal: http://www.gew-bremen.de/

Alle Supersymbolbilder: Wikipedia

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