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Gastbeitrag: Was wir wollen, oder wollen wir das? Über Mp3s und Co.

Grillmaster Flash hat wieder mal ein Gastbeitrag eingereicht und nach langer Durchsicht in der Redaktion, wird er letztendlich freigegeben :)
Ich wünsche viel Spass beim Lesen, erinnere aber nochmal daran, dass dies nicht die Meinung und Auffassung des Blog-Inhabers wiederspiegelt. Man muss sich ja immer absichern, gelle?



Es geht so nicht weiter. Musikflatrate? Wenn ja wie lange und wie teuer und für wen? Festplatten voll mit digital komprimierten Songs, unübersichtlich und so schnell löschbar wie sie darauf gelandet sind? Musik für alle und zwar umsonst? Warum eigentlich nicht?

Dieser ganze Scheiß reizt mich nicht, ich habe keine MP3s. Ich brauche sie nicht, ich mag sie nicht. Warum? Sind doch praktische Formate, klein, unsichtbar, leicht transportabel...

Ich habe schon immer Musik von Kassetten und CDs gehört, ganz früher von Schallplatte. Ich bin diese Form von „Musikkonsum“ gewohnt und schätze ihn trotz fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche (oder gerade deshalb) bis heute. Winamp- und MP3-Player können dem handfesten Tonträger in keinster Weise das Wasser reichen. Ich halte digitale Audioformate für den Sondermüll des technischen Fortschritts und machen das an der Musik kaputt, was viele Menschen lieben. Sie wird zu Konsumgut, zum Berieselungsinstrument. Das ist sie für mich nicht. Nahezu jedes Album, das ich besitze ist irgendwann mal ein Teil von mir geworden, es trägt Erinnerungen und Emotionen. Ich habe einen Haufen von Mixtapes, für die ich mich teilweise für mehrere Stunden in meinem Zimmer verbarrikadiert habe. Das Zusammenstellen einer CD ist nicht mal annähernd so ein Nervenkitzel, genauso wenig wie das anhören, allein schon durch den ständig wechselnden Lautstärkepegel der verschiedenen Tracks.

Ich bin ein Albumfetischist, wenn ein Album insgesamt schlecht, aber nur ein Song gut ist, will ich es nicht haben, dann brauch ich auch keine Downloadgutschein um mir diesen Song zu ziehen. Wer von Euch hört noch CDs, die er vor 12 Jahren mal gekauft hat? Ich will Musik nicht als Massenware, sondern als etwas Besonderes. Ich freue mich darüber eine neue CD oder Platte das erste Mal einzulegen. Das ist etwas Magisches, das mir kein 30-Sekunden-Download ersetzen kann. Das ist Romantik und in einer beinahe durchdigitalisierten Welt ein Ausflug in etwas Echtes! Es ist mir egal, ob es teurer ist und auch, dass die Preise für Tonträger zwar langsam aber sichtbar gestiegen sind. Ich weiß, wie hoch der Aufwand ist gute Musik zu produzieren und wie viele Menschen in die kreative Arbeit involviert sind. Es macht mir nichts aus, auch dafür zu bezahlen, solange das Produkt es Wert ist. Dafür kann ich meine Sammlung dann aber eben nicht jede Woche mit 20 neuen Alben zuscheißen. Ich muss es überdenken und haushalten, eine Auswahl treffen und das ist der springende Punkt!

Ich habe eine Zeit lang (mit 17 oder 18) Musik bei Napster gezogen, ich habe es schnell wieder gelassen, es war mir zu stillos und zu stumpf. Es ging mir nicht um die sich daran anschließende Debatte um Urheberrechte und die fetten Gerichtsschlammschlachten zwischen dem Betreiber und Leuten wie Lars Ulrich oder Madonna. Die Ansichten beider Seiten waren lächerlich und nicht der Rede wert. Aber allein die Möglichkeit, jeden Kram aus dem Internet zu beziehen war für viele andere Künstler mit geringeren Plattenverkäufen Fluch und Segen zugleich. Einerseits war jede produzierte Platte nun irgendwie nichts mehr wert, andererseits macht das Internet eine Verbreitung der eigenen Musik vergleichsweise problemlos möglich. Letzteres ist aber eher ein kultureller Rückschritt. Das stöbern in Plattenläden ist somit nämlich weitgehend überflüssig, was für viele Händler das Aus bedeuten würde bzw. schon bedeutet hat. Und was bedeutet es für die Konsumenten? Die Möglichkeit sich viel Musik auf einfachstem Wege anzuhäufen. Ob dabei alles besitzenswert ist, wird dabei schnell egal.

Die Reaktion großer Plattenfirmen, denen jetzt die Felle davonschwammen, war absolut indiskutabel und peinlich. Kopierschutz, was für ein Blödsinn!! Der verschwindenden Masse von Leuten, die CDs kaufen auch noch eins auszuwischen, ist so ziemlich das Letzte allen Anstands. Zusätzlich immer größeren Schrott unter Vertrag zu nehmen, machte die Sache nicht besser, bis heute.

Verständlicherweise bemerkt man daher in letzter Zeit einen Boom von Indie-Labels, die nach wie vor versuchen Bands sorgfältig auszuwählen und langfristig zu binden und zu unterstützen, ohne sie in einen Knebelvertrag zu zwingen. Und siehe da, diese Bands verkaufen wieder, zwar ebenfalls nicht mehr so viel, aber es muss ja auch nicht immer eine Millionensumme im Musikgeschäft gemacht werden. Und für den, der dann seine CD auch mal auf seinen Stick ziehen oder für Kumpels brennen will gibt es keinen hinderlichen Kopierschutz. Digitale Musikformate sind wahrscheinlich nicht mehr wegzudenken, das macht sie aber immer noch nicht besser. Und diese ganze Diskussion über irgendwelche Musikflatrates, neue Märkte erschließen, -bla bla bla- in welcher Form auch immer, tangiert mich zum Glück nicht, denn ich werde sie so oder so nicht wahrnehmen.

Abschließend zu meinem kleinen Text möchte ich einen Teil des Dialogs zwischen dem Dude und Jackie Treehorn aus dem Film „The Big Lebowski“ zitieren:
„Das ist die Zukunft, Dude. 100% Elektronik.“ – „Also... ich wichse immer noch mit der Hand.“

...in diesem Sinne...

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