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Visionen und Utopien: Die Musikindustrie verschwindet

Geben wir uns mal drei Utopien hin, wobei hoffentlich die erste, wahrscheinlich jedoch die zweite, mittelfristig dann die dritte auftreten wird. Allerdings, und wir können es uns doch eh schon denken, bleiben die drei folgenden Vorschläge nur das, als was ich sie hier tituliere: Visionen einer besseren oder schlechteren Welt, die aber an bestimmten Personen oder Firmen scheitern, respektive am Volk selbst. Denn die einen haben schlichtweg Angst, selbst überflüssig zu werden und die anderen sind zu faul, um zu protestieren.

Ein Artikel bei Heise hat mich eben darauf aufmerksam gemacht. Es geht um die Musikindustrie. Sony BMG möchte möglichst bald, ganz sicher (!) aber dieses Jahr noch, eine Musikflatrate herausbringen. Wie das alles aussehen soll, wissen sie selber nicht. Der Preis wird bei 6-8 Euro liegen. Ich bezweifle das und sage mal 9,99-19,99 voraus. Schließlich ist dies hier meine Utopie und ich bin der Visionär.
Es wird unterschiedliche Modelle wie bei Napster geben, das steht fest. Das oberste Preissegment bietet wahrscheinlich dem User die Musik als Eigentum an, was lediglich das MP3-Äquivalent zur gekauften CD ist. Aber, und da visioniere ich hier wieder herum, letzteres wird sich die Musikindustrie nicht trauen. Weil da nicht genug Geld bei herauskommt.

Die großen Firmen halten immer noch an ihrer guten, alten CD fest. Warum sie das immer noch tun und nicht endlich mal den Markt und die Käufer beobachten, bleibt mir ein Rätsel. Wenn uns der Vorstandschef dann sagt, dass die Gewinnmargen im digitalen Bereich besser sind, wie im CD-Geschäft, fragt sich der Visionär hier schnippisch: „Ach, wirklich?“
Schon vor Jahren hätte man sich auf den Onlinevertrieb von Musik konzentrieren müssen. Dies wäre eine passende Reaktion auf die ganze Raubkopiererei gewesen. Aber nein, man kleistert den fairen und zahlenden Nutzer mit DRM-Müll zu, damit dieser, obwohl er ja gutes Geld lässt, bloß nicht die Mucke weitergibt an andere. Der ehrliche Kunde bleibt der Dumme, während sich der Raubkopierer frei mit seiner Musik bewegen kann. Auf CD, auf den Player, auf den USB-Stick fürs Auto, die Freundin will vielleicht auch noch 1-2 Songs für ihren MP3-Player. Damit hat derjenige immer noch nicht die Musik an andere verteilt, wovor die Musikindustrie ja ausgeht. Aber dies ist vielleicht nur ein einfältiges Beispiel eines großen Visionärs, der dieses Wort jedes Mal erst mit V-i-o beginnt und dann löschen drückt und mit V-i weitermacht..

Die positivistische Utopie könnte eine ganz simple sein, die ich auch schon bereits an einigen anderen Stellen gelesen habe. Die Musikindustrie verschwindet, weil sich die angestammten Künstler auf den Onlineverkauf ihrer Musik konzentrieren. Leute wie Moby oder Madonna haben dafür eigene Portale Sei es auf CD, die mittlerweile ein angesehener Luxusgegenstand ist, oder als MP3. Die Künstler brauchen weder Label noch Vertrieb. Sie verkaufen sich von selbst und das wissen sie auch.
Die kleineren Labels könnten ihre Musik direkt auf ihren Webseiten verkaufen und es würden sich auch hier Portale von unabhängigen Künstlern bilden.
Die großen Firmen versuchen noch in ihren letzten Atemzügen dagegen anzukämpfen. Sie drohen mit Klagen, überziehen die Sender weiterhin mit angsteinflößender Werbung. Freie Musik ist Kommunismus und das wollen die Bürger nicht. Doch die lachen nur noch, während sie eine nette E-Mail an einen Künstler schreiben, der ein absolutes erste Klasse Album herausbrachte und sie es bei ihm kauften – für 5 Euro. Das Argument der Dinosaurier, Musik würde durch ihre Freiheit schlechter werden, zieht also auch nicht (mehr).
Keiner will mehr die billigen, 10-Jährigen Kinder auf der Bühne sehen, die nach einem Hit wieder verschwinden und wenig später dann die nächste, frische Kopie davon kommt und ihre Texte vom Band trällert, die sie vorher doch so mühsam auswendig gelernt hat. Denn der Text stammt aus einer Hit-Maschine.

Aber mal ehrlich: Die Musikindustrie und verschwinden? Wers glaubt…

Nachdem die Musikindustrie nun endlich durch Marktforschung gemerkt hat, was ihre Kunden wollen, nämlich digitale Musik (siehe Artrikel), hatte man monatelang gegrübelt. Wie packen wir das Ganze nun an? Müllen wir weiter mit DRM-Maßnahmen herum? Geben wir dem User die Musik für immer? Die Überlegungen, dass so eine Flatrate mit 20 Euro viel zu billig wäre und wie man denn sonst überleben könnte, führten schließlich zu einem Preis von 100 Euro monatlich. Mit DRM. Denn eigentlich war man mit den Preisen ja nie zufrieden. 99 Cent für einen Song? Das spiegelt nie den Wert der Musik wieder sagt unser Vorstand im Interview.
Alles supi dachten sich die Vorstände und rieben sich die Hände, während in den Augen die Dollar (oder Euro) Zeichen klingelten. Doch es klingelte nicht. Schuld waren die Raubkopierer, nicht der Preis. CD-Verkäufe sanken weiter, nicht weil die Musikindustrie langsam zu einem lächerlichen Konglomerat von geldgeilen Irren verkam, nein, weil sie sich mit ihrer Preispolitik lächerlich machten und weiterhin das verloren, was schon die letzten Jahre schwand: Ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit. Denn für viele sind sie nur noch Firmen, die ihre CDs teurer machen und dies legitimieren mit den Abermillionen an Raubkopien. Gerne wird hier die Zahl maßlos übertrieben. Das fand man heraus. Dann funktioniert die CD zu Hause nicht, weil der Kopierschutz Probleme macht. Dann drangsaliert man den frustrierten Kunden auch noch online.

Die letzte Utopie: Die Musikindustrie besinnt sich, bietet eine faire Preis- und Vertriebspolitik an. Die Nutzer zahlen 20-30 Euro pro Monat für eine „echte“ Flatrate und dürfen alles runterladen und auf ihre Player packen, wie sie wollen. CDs kommen zu vernünftigen Preisen in die Läden. Keine neuen Alben mehr für 18 Euro, sondern für 11 oder 12 Euro, Maxi-CDs für 5-7 Mücken. Das wäre mal nen Ding, hm?


Nicht vergessen, Utopien sind meist immer etwas übertrieben, um die Missstände direkter aufzuzeigen :)

Link zu Heise: http://www.heise.de/newsticker/Sony-BMG-will-mit-Musikflatrate-Musikabsatz-ankurbeln--/meldung/105455


Ansonsten kann man super Musik immer noch auf Youtube hören:

pet0r (Gast) - 26. März, 22:48

Musikflatrate

Gehört Napster nich der Sony BMG ?
Also eigentlich ja gehört die Firma ja zu Bertelsmann und die dann zu 50% oder so zu Sony BMG.
Also haben die doch schon ne Musikflatrate.
Ich bin da ein wenig verwirrt.
Napster wird doch in dem Artikel sogar erwähnt.

indylaa - 27. März, 21:59

weiß ich spontan gar nicht. habe grad auch keine lust nachzuschauen. und wenn es so ist, denke ich, das sonybmg ein eigenes portal und eigenem namen aufbauen will. mitunter sind ja auch andere plattenfirmen im gespräch, weil sonst deren angebot zu klein wäre.

ich hoffe immer noch auf amazon, die in den usa mit 99 bzw, 89 cent pro song und ohne jegliche drm maßnahmen ihre mp3s verkaufen. probehören usw. ist natürlich umsonst und mittlerweile wird das stück kuchen von apple immer kleiner....ach diese metaphorik :)
vince (Gast) - 28. März, 06:25

na da hast du ja mal wieder einen ordentlichen text verfasst :)
ich habe vor einer weile mal einen artikel zum thema napster und flatrate gelesen und ich als quasi kunde war natuerlich sehr interessiert:

http://www.welt.de/webwelt/article1526925/Napster-Downloads_fast_wieder_so_wie_frueher.html#reqRSS

ich weiss nicht in wie weit das nun schon umgesetzt ist, wir bezahlten jedoch 10 euronen fuer die flat und das nun dann fuer mp3 format. da bleibt mir nur zu sagen: n1!

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