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Du bist doch mein Freund, oder?

Da kommt man gerade von nem Geburtstag, ist ein bisschen angetrunken und erfreut sich über die Erkenntnis, dass ein Nintendo Wii eine prima Party-Konsole ist, man ein Talent für Bowling hat (hehe) und dann das: Man kommt zu Hause nicht rein.

Warum? Ja, weil ein Alki die Tür versperrt. Und diese Leute haben ja immer die Angewohnheit, einem gleich die ganze Lebensgeschichte zu erzählen. So stand ich also eine gefühlte Ewigkeit vor meiner Haustür, kam nicht rein, wollte nun nicht unhöflich sein und hörte mir dann auch seine Leidensgeschichte an.

Er wäre aus der benachbarten Kneipe herausgeflogen, weil er angeblich alle Gäste beleidigt hätte. Sein Bier hat der Barkeeper einfach weggenommen und ihn hinausbefördert. Nun, Feierabend will ja jeder machen. Die Leute aus der Kneipe und ich natürlich auch. Leider ging meine Taktik, ihn wieder in die Gaststätte zu schicken und alles zu reklamieren, nicht auf, da er irgendwie nicht wieder dorthin zurück wollte und gleichzeitig dort schon die Lichter aus waren. Wie lange er wohl schon hier herumlief?

Dann wendete ich die Verwirrtaktik an und es gelang mir, ihm vier verschiedene Berufe aufzuzählen, denen ich nachgehen würde. Er merkte es nicht. Ich wurde zum Lehrer (war er auch, nur fielen ihm die Fächer nicht mehr ein), Dozent für Molkereiwesen (ach was?), Tennislehrer und Lokführer. Herr Soundso entschied sich dann für den Tischlerberuf.
Zwischendurch fragte er immer wieder, ob ich denn hier wohnen würde, ob ich denn allein die Wohnung hätte usw. Hierbei wohnte ich dann mal im ersten, mal im vierten Stockwerk, hatte die Bude alleine für mich, dann eine Frau, dann zwei drogensüchtige Volksmusiker, die gerade auf Tournee wären.
Ich wunderte mich zwischenzeitlich wirklich, wie erstaunlich es war, ihm alle diese Dinge aufzutischen und noch erstaunlicher war die Tatsache, dass er alles nur wenige Sekunden danach wieder vergessen hatte. Allerdings meine ich zu Wissen, das dies ein relativ häufig auftretendes Problem bei Alkoholikern ist. Ebenfalls, dass Leute in diesem Zustand gerne mal gefährlich nahe kommen und einem des öfteren Einblick in die Flora ihres Mundes gewähren. Gänsehautstimmung!

Das Ende vom Lied war, dass er mich herzlich umarmte, ich dabei die Luft anhielt, und er sich noch fünfzig Mal verabschiedete mit den Worten, wir könnten uns ja mal treffen und einen trinken. Natürlich können wir das.

Im Nachhinein weiß ich allerdings auch nicht, was mich da nun geritten hat und viele meiner etlichen Leser (hehe Nr. 2) denken sich sicher: Toll, hat er nen Alki verarscht. Ich antworte darauf leidlich: Ja nun, ich hätte auch lieber geschlafen :)

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