Der Alki am Bahnhof
Es war gegen elf Uhr abends, der Zug sollte planmäßig in elf Minuten einrollen. Er kam mit nur wenigen Minuten Verspätung, nichts unübliches am Bahnhof einer kleinen Stadt in einem kleinen Landkreis nähe Bremens.
Ich kam gerade von der Arbeit zurück. Mein Auto war bereits verkauft, ich wollte um diese Jahreszeit nicht mehr mit dem Fahrrad fahren, es war tiefster Winter, noch fast drei Wochen bis Weihnachten. Meine Mutter war so freundlich mich zu fahren, den Rückweg wollte ich alleine antreten, denn sie musste um halb sechs aufstehen. Der Film im Kino lief bis kurz nach zehn und ich hatte noch genügend Zeit ihn zurückzuspulen, das Kino aufzuräumen und die Toiletten zu checken.
Der Weg vom Kino zum Bahnhof war eisig, kalt und der Boden gefroren. Ich dachte daran, jeden Moment auf die Fresse zu fallen, das Kopfsteinpflaster sah allerdings nicht sehr verlockend aus und ich entschied, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Am Bahnhof war um diese Zeit nichts los. Fast nichts, denn ein etwas komisch gekleideter Herr lief hin und her, schaute ständig auf sein Handy und hatte eine Bierflasche in der Hand. In der Kälte roch ich den Alkoholgestank auf mehrere Meter, der von ihm ausging. Er war vielleicht auf dem besten Wege ein Penner zu werden, jenes Klischee-Bier soff er schon. Ich hoffte, er würde mich nicht ansprechen, doch er tat es und frug mich, wie spät es denn wäre. An einem Bahnhof nach der Uhrzeit fragen…
Er fragte auch nach, wann der Zug den wohl käme, ich sagte in elf Minuten, er drehte sich um und schaute auf die riesige Bahnhofsuhr. Mir fielen die Hände ab vor Kälte. Der Alkoholiker erkundigte sich nach meinem Handy und ob ich eines bräuchte, schließlich könnte ich seines für billige 35 Euro haben. Er hätte noch mehr, verkauft auf einer bekannten Auktionsplattform im Internet zig Handys und würde so sein Auskommen bestreiten. Nein, ich war zufrieden mit dem Ding, auch nach erneuter Nachfrage.
Anscheinend sind solche Leute immer schnell bei der Sache, einem die Probleme oder gleichsam die ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Er stand im T-Shirt und Lederjacke so dort und berichtete, wo er herkam. Von einem Freund, sie besoffen sich, weil ihre gemeinsame Freundin sich zu Tode gesoffen hatte. Vor einigen Monaten. Nach ihrem Tod waren sie vier Wochen lang breit meinte er. „Aber richtig breit,“ legte er nach, nun würden sie nicht mehr soviel saufen, was er manchmal sehr schade fand. Entweder lag es am fehlenden Geld, am nicht ausreichend vorhandenen Alkohol oder weil die Dorf-Wirtin sie irgendwann rausschmiss, weil sie die anderen Gäste störten.
Gestern waren es nur zwei Kisten Bier zu zweit und ein Rauswurf, heute hatten sie das Gleiche am Start und noch eine Röhre Korn. Ohne Cola. Meine Frage, wie viel er denn wohl brauchen würde, um stramm zu werden, konnte er ausführlich beantworten. Nach dem Aufstehen mindestens sechs Bier oder ein paar Korn zum fit werden, dann über den Tag mindestens ein Kasten und dann noch einen weiteren zum „Auf-Temperatur-Kommen“ bis man sich dann letztendlich mit Korn oder Wodka den Rest gab. Aber oft trinkt er nur aus Langeweile und um über den Tag zu kommen. So richtig saufen würde er nur selten, weil es auch ein Kostenfaktor ist. Ich konnte es nachvollziehen.
Er tat mir Leid, weil eine Freundin von ihm starb. Ich wollte nach Hause.
Er prostete mir beim Einfahren des Zuges noch zu und verschwand in einem anderen Abteil. Von innen winkte ihm ein Freund zu, er hielt eine Flasche Wodka in der Hand.
Ich kam gerade von der Arbeit zurück. Mein Auto war bereits verkauft, ich wollte um diese Jahreszeit nicht mehr mit dem Fahrrad fahren, es war tiefster Winter, noch fast drei Wochen bis Weihnachten. Meine Mutter war so freundlich mich zu fahren, den Rückweg wollte ich alleine antreten, denn sie musste um halb sechs aufstehen. Der Film im Kino lief bis kurz nach zehn und ich hatte noch genügend Zeit ihn zurückzuspulen, das Kino aufzuräumen und die Toiletten zu checken.
Der Weg vom Kino zum Bahnhof war eisig, kalt und der Boden gefroren. Ich dachte daran, jeden Moment auf die Fresse zu fallen, das Kopfsteinpflaster sah allerdings nicht sehr verlockend aus und ich entschied, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Am Bahnhof war um diese Zeit nichts los. Fast nichts, denn ein etwas komisch gekleideter Herr lief hin und her, schaute ständig auf sein Handy und hatte eine Bierflasche in der Hand. In der Kälte roch ich den Alkoholgestank auf mehrere Meter, der von ihm ausging. Er war vielleicht auf dem besten Wege ein Penner zu werden, jenes Klischee-Bier soff er schon. Ich hoffte, er würde mich nicht ansprechen, doch er tat es und frug mich, wie spät es denn wäre. An einem Bahnhof nach der Uhrzeit fragen…
Er fragte auch nach, wann der Zug den wohl käme, ich sagte in elf Minuten, er drehte sich um und schaute auf die riesige Bahnhofsuhr. Mir fielen die Hände ab vor Kälte. Der Alkoholiker erkundigte sich nach meinem Handy und ob ich eines bräuchte, schließlich könnte ich seines für billige 35 Euro haben. Er hätte noch mehr, verkauft auf einer bekannten Auktionsplattform im Internet zig Handys und würde so sein Auskommen bestreiten. Nein, ich war zufrieden mit dem Ding, auch nach erneuter Nachfrage.
Anscheinend sind solche Leute immer schnell bei der Sache, einem die Probleme oder gleichsam die ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Er stand im T-Shirt und Lederjacke so dort und berichtete, wo er herkam. Von einem Freund, sie besoffen sich, weil ihre gemeinsame Freundin sich zu Tode gesoffen hatte. Vor einigen Monaten. Nach ihrem Tod waren sie vier Wochen lang breit meinte er. „Aber richtig breit,“ legte er nach, nun würden sie nicht mehr soviel saufen, was er manchmal sehr schade fand. Entweder lag es am fehlenden Geld, am nicht ausreichend vorhandenen Alkohol oder weil die Dorf-Wirtin sie irgendwann rausschmiss, weil sie die anderen Gäste störten.
Gestern waren es nur zwei Kisten Bier zu zweit und ein Rauswurf, heute hatten sie das Gleiche am Start und noch eine Röhre Korn. Ohne Cola. Meine Frage, wie viel er denn wohl brauchen würde, um stramm zu werden, konnte er ausführlich beantworten. Nach dem Aufstehen mindestens sechs Bier oder ein paar Korn zum fit werden, dann über den Tag mindestens ein Kasten und dann noch einen weiteren zum „Auf-Temperatur-Kommen“ bis man sich dann letztendlich mit Korn oder Wodka den Rest gab. Aber oft trinkt er nur aus Langeweile und um über den Tag zu kommen. So richtig saufen würde er nur selten, weil es auch ein Kostenfaktor ist. Ich konnte es nachvollziehen.
Er tat mir Leid, weil eine Freundin von ihm starb. Ich wollte nach Hause.
Er prostete mir beim Einfahren des Zuges noch zu und verschwand in einem anderen Abteil. Von innen winkte ihm ein Freund zu, er hielt eine Flasche Wodka in der Hand.
indylaa - 12. November, 21:12
