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Sonntag, 7. Juni 2009

Die Geschichte von Jana und Erik

Hier eine vielleicht besser gelungenere Geschichte, die mir ebenfalls letztes Jahr im September einfiel, die ich im Januar weiterschrieb und soeben korrigiert habe. Wieder die komischen Logikfehler und einige Formulierungen... Geschrieben habe ich diese Story für eine gute Freundin aus dem Studium. Den Rest muss ich allerdings noch schreiben und liefere den irgendwann nach :)

Teil 1
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, schließlich ist es schon so lange her, dass ich Erik irgendwann abends am Bahnhof traf und wir spontan ins Pub gingen, um einige Biere zu trinken. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen, müssten so um die anderthalb Jahre gewesen sein. Erst während des Gesprächs fiel mir auf, wie nervös Eric wirkte. Vielleicht konnte er kaum das Bier abwarten, hatte keine Kippen oder war auf Speed. Der richtige Grund für sein komisches Verhalten war allerdings ein anderer.
Ich erinnerte mich noch dunkel an seine damalige Freundin, da er sie nur ein Mal zu einer Party mitbrachte und daraufhin zum studieren nach Berlin zog. Damals beneidete ich ihn dafür, weil ich in der Schulzeit mit dem Politik-Kurs dort gewesen bin und seitdem diese wunderbare Stadt nicht mehr aus meinem Kopf kriege.
Nun war er hier um seinen Kopf frei zu bekommen. Ich kannte das Gefühl gerade nur zu gut.
Natürlich ging es um seine Freundin und er sagte mir sehr kühl und gefasst, dass in zwei Wochen ihre gemeinsame Zeit ablaufen würde. Er sah wahrscheinlich meinen überraschten Blick, jedoch antwortete er mir sofort, dass nichts schlimmes passieren würden, sie wären einfach ab dann nicht mehr zusammen. Mehr nicht. Das fühlte er seit ein paar Wochen jeden Tag stärker. Hinter seinem Gefühl steckte jedoch noch viel mehr. Er wusste von vornherein wie die Beziehung ablaufen würde, er kannte Jana besser, als sie dachte und er kannte das Ende.

Er sollte am besten von vorne Anfangen. Er wollte. Ich hielt es für einen guten Zeitpunkt mein Glas mit Bier aus dem Pitcher aufzufüllen. Glücklicherweise redete Erik die ganze Zeit und trank wenig.
Er hatte hier in Bremen schon zwei Semester lang studiert, als er Jana kennenlernte. Weil er sie jeden Dienstag in einer Veranstaltung anschaute und sich immens wenig für die Referate anderer Studenten interessierte, verliebte er sich lieber in sie. Ab und zu erwiderte Jana seine Blicke und daraufhin hüpfte sein Herz ein wenig, aber mehr passierte nicht. Seine Hoffnung trübte dies nicht, denn er hatte ja noch einige Dienstage Zeit, bis das Sommersemester vorbei war. Ich erinnerte mich derweil an einen Freund, der meinte, man dürfe während des Sommersemesters nicht studieren, weil auf dem Campus einfach zu viele schöne Frauen rumlaufen würden. Er gab ihnen die Schuld an seinem Haarausfall. Beweisen konnte er das durchaus nicht, aber das mit den Frauen stimmte ohne jeden Zweifel.

Der lächerlich kleine Raum, in dem sie immer saßen, stand im starken Kontrast zu der Teilnehmerzahl des Seminars. Quetschen und aufrücken war also an der Tagesordnung und eines schönen, sonnigen Dienstags nahm sie neben Erik Platz. In seiner Brust pochte es und er dachte sich: scheiße, nun sitzt die Alte doch glatt neben mir.

* * *

Erik schossen zig Gedanken durch den Kopf und er sah es kommen, dass sich ein Gespräch entwickeln würde. Die Veranstaltung war so ziemlich das Langweiligste, was es gab und jeder unterhielt sich. Sie redeten über ihre Lieblingsbücher.
Jana erzählte von ganz vielen tollen Autoren, die er nicht kannte und dabei gelegentlich in ihren Ausschnitt schaute und sich danach schämte. Erik schämte sich oft diese Stunde, aber er dachte sich, na vielleicht wird das mit ihr ja noch ganz nett und so.
Er selbst hatte schon lange keine Freundin mehr gehabt und sehnte sich oft danach. Sein Bett war zu groß für ihn ganz alleine und viele seiner Freunde hatten neuerdings jemanden zum Händchenhalten.
Ach ja, der arme Erik, dachte ich, aber irgendwie musste ich unweigerlich an mich denken und versank in Gedanken. Als ich wieder aus meinen Hirngespinsten aufwachte, war Eriks Semester schon fast vorbei und er erzählte, dass Jana einen neuen Freund hatte, den er nicht ausstehen konnte. Keine Chance, dachte er sich.

In den Ferien traf er sie in der Disco und sie tranken, er lud sie auf seinen Geburtstag ein und sie kam und betrank sich fürchterlich, weil ihr Freund Mist gebaut hatte. Wie es eben so passiert, tauschten sie ihre Nummern aus, chatteten ab und zu über das Internet und hatten weitere Kurse im Wintersemester zusammen.
Mit Janas Freund war es im Dezember dann vorbei, sie erzählte Erik, der mittlerweile ein geduldiger Zuhörer ihrer Probleme wurde, dass sie sich beide nicht mehr liebten. So einfach kanns gehen, sagte er schnippisch zu mir. Ich dachte, so schlimm kann es einem widerfahren.
In der Uni sahen sie sich nun öfter als sonst, wenn auch nur ungeplant. Sie aßen in der Mensa, sie nahm noch ein Schälchen Gulaschsuppe und er eine Pommes mit Mayo zum ersten Essen. Wenn sie über Beziehungen redeten, machte er ihr Mut, dass nicht alles scheiße ist und sie entgegnete, er würde auch endlich mal eine finden, die ihn ganz oft knutscht. So wie er es sich wünschte und was nur sie wusste.

* * *

Auf einer Party beichtete Erik Jana dann, dass er sie umwerfend finden würde, seit dem zweiten Semester schon, im Kurs von Herrn Kellinghusen. Sie küsste ihn, weil sie betrunken war. Am nächsten Tag entschuldigte sie sich für den Kuss, er sagte es wäre okay und kein Problem. Nun betrank Erik sich fürchterlich mit einem Kumpel und kotzte beim Verlassen der Disco noch schön auf die Treppe.
Mit der Zeit gewöhnte sich Erik an den Zustand. Zwar seufzte er tief, wenn er sie sah oder sie sich trafen. Was sollte er auch anderes tun? Nichtsdestotrotz konnte er ihr nicht aus dem Weg gehen, denn sie waren ja gute Freunde. In der Mensa zahlte sie sein Essen, dann tat er es ihr gleich. Sie kniff ihm in die Seite während des Seminars und der Dozent warf mit der Kreide nach Erik. Er schubste sie dafür später aus Spaß in ein Gebüsch.
Mit der Zeit vergaß er für kurze Momente, dass er in sie verliebt war. Vielleicht auch nur verknallt oder gar nichts, dass fragte er sich nun öfter.

Die letzte Woche des Semesters begann und am Dienstag schien die Sonne so schön, dass man einstweilen mit T-Shirt herumlaufen konnte. Jana erzählte Erik wieder von ihren dämlichen Bekanntschaften vom Wochenende, er schaltete auf Durchzug, denn sie hatte die Story schon gestern am Telefon erzählt. Geschickt duckte er sich, denn von vorne kam wieder Kreide geflogen. Erik grinste, der Dozent hatte nichts mehr zu schreiben und bat darum, das Stück wieder zurückzuwerfen. Nach dem das Seminar endgültig zu Ende war, gingen sie noch am Deich entlang und Jana erwähnte, dass sie vielleicht überlegte, weiterhin in Berlin zu studieren, weil, tja, Berlin halt. Erik sagte nur geistesabwesend, er liebte Berlin. Jana erwiderte, er könne ja mitkommen, sie würden sich gemeinsam eine Wohnung nehmen und alles wird bestimmt ganz toll. Erik wusste nicht so recht, denn das war eine schwerwiegende Entscheidung, die er nicht spontan treffen könnte und mit ihr zusammenwohnen? Das würde bestimmt nicht klappen. Jana sagte zu ihm, sie wüsste schon, wie gut es klappen würde, schaute ihm tief in die Augen, zog mit beiden Armen seinen Kopf zu ihrem und küsste ihn und ihm rann eine Träne aus dem rechten Auge, den er wusste, dass er nun nicht mehr zweifeln würde über seine Gefühle für sie. Ich bin verliebt in dich, sagte er zu ihr und sie antwortete ganz unverhofft, dass sie es wüsste. Und gab ihm noch einen Kuss.
Auf dem Heimweg saß Erik in der Straßenbahn und malte sich allerlei Dinge aus, die nun in Zukunft passieren würden. Neues Leben, neue Stadt, Berlin, Berlin, Berlin wummerte es in seinem Kopf und dann Jana, Jana, Jana.

* * *

Wie eine detaillierte Zeichnung eines Plans entstand vor seinem Auge nun alles, was in Berlin passieren würde. Sein Herz pochte und seine Brust vibrierte, sein Blick glänzte und er sah, wie sie beide im Umzugswagen ihr ganzes Geraffel in die Metropole brachten und sich abmühten mit der Waschmaschine. Er dachte an Sex auf dem Ding. Und an knarrendes Parkett, riesige Decken und unglaublich cooles Nachtleben. Worüber sie sich streiten würden, lachten und weinten, sie in seinem Arm, sie über die Türschwelle tragend. Doch Stopp. Halt, nicht so schnell, dachte er sich und wurde vorsichtig. Seine Zeichnung verlangsamte sich und Erik dachte sich, dass es auch ganz schnell nach hinten losgehen kann, wenn man so einen krassen Schritt wagt. Was ist, wenn einer fremdgeht? Schluss macht? Eriks Zeichnung formte eine Szene, die ihn dabei zeigte, wie er seine Koffer packte und aus der Tür trat. Sie stand im Rahmen, lehnte sich an und hatte Tränen in den Augen.

Anderthalb Jahre, Erik, dann ist es vorbei, sagte er zu sich selber. Nein, vielleicht auch nicht. Daran wollte er nicht glauben, denn er wünschte sich jetzt schon, sie wäre die letzte Frau, die er küssen und lieben würde. Drei Wochen später saß er am Steuer eines LKW`s, hinter ihm stapelten sich die Kartons, voll mit Kleidung, Büchern, alten Zeitschriften und einer Ausgabe des Playboys, von der er ihr noch nichts sagte. Sie hatte ihre Hand auf seinem rechten Knie und lächelte andauernd in seine Richtung. Beide dachten daran, wie glücklich sie in diesem Moment waren, sagten aber nichts.

Short-Story: Ach so ist das...

Hier eine kleine Geschichte, die ich irgendwann letztes Jahr mal angefangen hatte. Habe einige komische Logikfehler ausgebügelt, sie überarbeitet und das Ende angefügt. Hätte mehr draus werden können, aber trotzdem viel Spaß beim Lesen :)

Als es ihm passierte, war er Mitte zwanzig. Es war wie im Film und er schreckte hoch, und sagte laut zu sich: „Noch dreißig Jahre? Noch dreißig Jahre!“ Dieser Traum stimmte ihn zunächst gar nicht so nachdenklich. Nichts mehr, dachte er sich, als ein Albtraum. Schon oft hatte Alfred davon gehört. Dass Menschen vom Tage ihres eigenen Todes träumen würden. Erst, als er sich erinnerte, dass ein Freund seines Bruders das Gleiche erlebte, dachte er noch ein zweites und drittes Mal daran. Obwohl, dies ist doch alles hanebüchener Unsinn, redete er sich ein. Nichtsdestotrotz war die Vorstellung, wie es wäre, in dreißig Jahren zu sterben, schon komisch. Seine Großeltern wären nicht mehr da. Seine Mutter? Vielleicht hochbetagt mit 90 in irgendeinem Heim weilend, weil Alfred keine Zeit hätte, sich um sie zu kümmern. Seine Schwester arbeitete im Süden des Landes und meldete sich kaum. Sein Vater wäre schon lange tot, aber vielleicht würde seine Cousine sich noch melden? Wer würde denn zu seiner Beerdigung kommen? Vielleicht viele Freunde und Kollegen – allesamt traurig über den Zustand, dass Alfred mit 55 Jahren schon gehen musste. So kurz vor seinem 56ten Geburtstag. Hätte er Familie gehabt? Die intakt wäre? Kinder? Er, ein guter Vater?

So viele Gedanken hatte Alfred sich darum gemacht. Damals, vor dreißig Jahren. Auf den Tag genau war das nun dreißig Jahre her. Und nun sollte er also heute sterben. Während er das dachte, schritt er durch das weiche Gras seines großen Vorgartens. Sonne von oben, Wind von vorn. Er streifte sich eine Schirmmütze über seinen kahlen Kopf, sonst gibts sofort einen Sonnenbrand sagen doch alle immer. Aber ja und? Heute ist es doch eh vorbei. Dabei lachte er vor Bitterkeit.
Alfred passierte die Gehwegplatten seiner Autozufahrt und ging in Richtung der leer stehenden Garage, bog allerdings kurz davor rechts ab in den hinteren Teil seines Grundstückes. Hier standen die großen Eichen am Rande des Zauns. Einige Bäume verloren bereits ihre Blätter, der Herbst nahte mit großen Schritten. „Wir haben ja schon September, da geht das schon durch“, redete er mit sich selber. Trotzdem war ihm wohlig warm. Daran hatte er sich schon gewöhnt. Dass sein Körper ihm mitunter gerne Streiche spielte, wenn es darum ging, ob es kalt oder warm wäre. Vielleicht war es bitter kalt, nur merkte er es nicht. Vielleicht schien die Sonne so lächerlich, dass er gar keine Mütze brauchte. Er nahm sie ab und fühlte sich kurzzeitig stark in seinem schwachen Körper.
Von drüben rief der benachbarte Arzt herüber. Seit 15 Jahren kannten die beiden sich schon. Als Alfred das Haus von seiner Tante kaufte, wohnte Doktor Stevenson schon einige Jahre dort. Sein Vater vererbte ihm die geräumige Villa mit Schwimmbad. „Wie geht es ihnen heute, werter Herr Nachbar“, fragte der Arzt mit einem Lächeln. Alfred wünschte sich, auch mal so zu lächeln. Falsch-freundlich, aber dennoch hoffnungsvoll. Sonst sagte er immer, dass es ihm gute ginge. Normalerweise antwortete der Arzt dann, dass es ihn freuen würde. Ein letztes Mal wollte er nun nicht mehr die Lüge, diese elende Phrase benutzen. „Oh, es geht mir durchaus gut, danke der Nachfrage. Habe nur ein wenig schlecht geträumt. Machen sie es gut Herr Nachbar“, antwortete ihm Alfred. Mit einer bemühten Armbewegung winkte er und ging rechts an der Garage vorbei in den hintersten Teil des Gartens.

Hier war es schön. Das Licht der Sonne wurde heller und wärmer. Ach so ist das also, ich werde hier einfach warten, dachte sich Alfred und fiel langsam in das Gras. Hier war der Rasen fülliger und weicher zum Hinfallen als im Vorgarten. Er verstand es nun. Der Film, der nun schon den halben Tag andauerte, neigte sich seinem Ende zu. Und eine Stimme sagte zu ihm, dass es nun Zeit wäre. „Zeit wofür? Ach – ja. Ja, es ist Zeit zu gehen, das denke ich auch.“ Sein Kopf senkte sich ins Gras, seine Glieder entspannten sich. Auf seinem Mund verblieb ein zufriedenes Lächeln. Alfred war tot.

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