[>>]

Sonntag, 23. März 2008

R.I.P. Proview 19" Monitor

Er hat mir genau 10 Jahre und 2 Wochen seine guten Dienste geleistet. Hing nun schon über ein Jahr an meinem Notebook und fungierte als Display zum Daddeln. Der Notebook-TFT ist für Counter-Strike einfach zu langsam.

Nun ging er in Rauch auf. Das Bild zog sich komisch zusammen und verschwand dann in der Mitte. Wie der Ochs vorm Berg starrte ich und verfolgte den Vorgang gespannt. Interessant dachte ich. Oben heraus rauchte es schon. Geschockt zog ich Strom- und VGA-Kabel heraus, riss die Fenster auf, jammerte aber trotzdem nicht.

Er war schon alt. Irgendwann wird jeder im Bild mal matschig oder stellt Farben dar, die wir nicht mögen bzw. nicht wollen. Er, der Proview 19" Monitor, zeigte mir sein Ende mit einer Qualmwolke, deren Duft nun mein Zimmer und mittlerweile auch die Küche einhüllt. Gebrannt hat er aber nicht. So viel Unterstatement sollte jedes Gerät bewahren.

Auf nimmer Wiedersehen.

"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" - Dokumentation über den SA-Führer Hanns Ludin

Eigentlich sollte dies nur ein kurzes Update werden. Aber wie immer kommt alles anders im Leben. Ha!
"Die Durchführung der Evakuierung der Juden aus der Slowakei ist im Augenblick auf einem Toten [sic] Punkt angelangt." - Telegramm ans Auswärtige Amt vom 26. Juni 1942[1]
Die Doku, welche in den Kritiken hochgelobt wurde, war schon recht heftig. Erstens hat sich der Regisseur selbst mit der Suche nach einer Antwort sichtlich gequält und gleichzeitig seine Geschwister, die teilweise noch geleugnet haben, als wirklich alles zu spät war, mit einbezogen hat. Malte Ludin zeichnet hier ein präzises Bild einer allgemeingültigen Kultur von kollektiver Leugnung bis zum Erbrechen - seine Figuren entsprechen sicherlich auch diesen gängigen Mustern.

Das einige Menschen mit der Vergangenheit ihrer Väter nicht klargekommen sind, weiß man heute. Leider fällt mir kein explizites Beispiel ein, bzw. ich habe keine Lust in meinen Ordnern nach der Notiz zu suchen. Jedenfalls hat ein Sohn, als er herausfand, wer sein Vater war und was er im Dritten Reich gemacht hat, sich daraufhin das Leben genommen. Ich kann mir vorstellen, dass dies kein Einzelfall war.

Wer sich also mit Entnazifizierung befasst, sollte nicht nur die Nürnberger Prozesse im Kopf haben, sondern auch die kleinere Variante wählen: die Nachkriegsgesellschaft mit ihrem Umgang mit dem Nationalsozialismus und den Familien, die so schnell wieder die Nazis verdammten, wie sie ihnen 1933 zujubelten.

Der kleine Kosmos kann auch die eigene Familie sein. Zumindest kenne ich jemanden, dessen Großvater in der Stube noch den Blut+Eisen Dolch hängen hat. Oder die Großmutter eines Freundes, die einfach zum Beauftragen zur Entnazifizierung ging, in diesem Fall ein Pastor, und dieser sie persönlich kannte. Er meinte zu ihr, es wäre ja nun alles vorbei und sie stimmte ihm zu. Das war alles. Angeblich war sie beim BDM...

Wie die Entnazifizierung in Bremen abgelaufen ist, weiß leider keiner, da es darüber so gut wie nichts gibt. Die Mitarbeiter der Archive würden sich bestimmt freuen, mal was anderes in diesem Fall zu tun zu haben, als nur Bücher zu verleihen. Als Thema bestimmt nicht schlecht für das Examen. Nur so mein Gedanke...

Ein anderer Gedanke war, diesen Film vielleicht im Unterricht zu behandeln. Erstens, weil er gutes Material über Verarbeitung der Familien mit ihrer Vergangenheit hat und zudem man in medienwissenschaftlicher Hinsicht sehr viele Stilelemente erkennen kann, die hier genutzt wurden. Auch, wie man Oral History als Methodik einsetzt - ein Mittel, was uns aufgrund der bald nicht mehr vorhandenen Kriegsgeneration in Bezug auf das Dritte Reich nicht mehr zur Verfügung steht.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Ludin (überblicksmäßig, wirklich gut ist er nicht, allerdings sind Literatur und Links wiederum 1a)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0728/magazin/0001/ (sehr guter Text)

http://mdz1.bib-bvb.de/~rt/select.html?suchbegriff=&name=Ludin&schlu=reichstag24&recherche=ja (Digitale Bibliothek: Datenbank der Reichstagsabgeordneten)

[1] Zitiert nach: Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2005, S. 382.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Lernen und Ernährung...
Wenn man tagelang am Lernen ist, weil ständig...
indylaa - 6. Dezember, 15:02
LOL, von denen hab ich...
LOL, von denen hab ich bisher zwar noch nichts gehört/gelesen,...
Kefa (Gast) - 23. November, 12:35
Titanic Boygroup in Bremen
Juhu! Endlich kommt die Titanic Boygroup, bestehend...
indylaa - 23. November, 11:58
Wie ich lerne.
Was hast du heute getan? Ich habe gelernt. Was wirst...
indylaa - 10. November, 17:03
Examensarbeit - Noch...
In meiner Arbeit habe ich auch kurz das Thema Frauen/Mädchen...
indylaa - 22. Oktober, 10:55

Archiv

März 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 1 
 4 
 5 
 6 
 7 
 9 
10
11
13
14
15
16
18
20
21
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 

Suche

 

Status

Online seit 940 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Dezember, 15:02

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB

Web Counter-Modul